PressemitteilungNummer: 0573Datum: 12/16/2010

Theodor-Haecker-Preis


    Shiva Nazar Ahari erhält internationalen Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen am Neckar

    Mit dem „Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit – Internationaler Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen am Neckar“ wird die iranische Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari ausgezeichnet. Der Preis wird am Sonntag, den 17.04.2011 um 11 Uhr im Neckar Forum der Stadt Esslingen durch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger vergeben.

    In der Begründung der Stadt Esslingen, die Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger bekannt gab, wird Shiva Nazar Ahari für ihr Engagement und ihren Mut, mit dem sie über das Internet und das "Committee of Human Rights Reporters" (CHRR) der Weltöffentlichkeit aus dem Iran berichtet und dabei auch ihre persönliche Gefährdung riskiert, geehrt.

    Die 26jährige Shiva Nazar Ahari, Gründungsmitglied der Menschrechtsorganisation „Committee of Human Rights Reporters“ und Herausgeberin der Website „Azad Zan“ („Frauenbefreiung“) wurde bereits mehrmals inhaftiert.

    Am 18. September 2010 sprach die 26. Kammer des Teheraner Revolutionsgerichts die Menschenrechtlerin wegen „Propaganda gegen das Regime“, „Versammlung und geheime Verabredung zur Durchführung eines Verbrechens“ und „Moharebeh“ (Feindschaft gegen Gott) schuldig und verurteilte sie zu sechs Jahren Haft und 76 Peitschenhieben. Shiva Nazar Ahari soll die Haftstrafe in der Stadt Iseh in der Provinz Chusestan im Südwesten Irans verbüßen. Freunden der Familie Aharis zufolge will die Menschenrechtlerin gegen das Urteil Berufung einlegen.

    Aus der Sicht von "Reporter ohne Grenzen" (ROG) hat die 26-jährige Bloggerin und Online-Aktivistin lediglich von ihrem Recht auf Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht. ROG organisierte eine Demonstration vor der iranischen Botschaft in Berlin und fordert zusammen mit Exil-Iranern und Sympathisanten die Freilassung der Dissidentin. Fast 4.000 Menschen aus 60 Ländern hatten die Petiton zur Freilassung von Shiva Nazar Ahari unterzeichnet.

    Shiva Nazar Ahari wird aufgrund des gegen sie gerichteten Urteils zur Ehrung nicht persönlich kommen können. Ihrer Weggefährtin und Mitaktivistin Parisa Kakaee wird der Preis stellvertretend übergeben. Shiva Nazar Ahari nimmt das Preisgeld nicht entgegen.

    Parisa Kakaee, die als Psychologin ein UN-Projekt für afghanische Kinder in Teheran leitete, saß selbst 48 Tage im berüchtigten Teheraner Evin Gefängnis. Sie ist eine von 50 Iranern, die die Bundesregierung aufgenommen hat. „Wir stehen auf der Seite der Menschen im Iran, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit ausüben wollen“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2009, nachdem die Grüne Revolution gewaltsam niedergeschlagen worden war.

    Die Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis erhält das Esslinger Jugendensemble „Stage Divers(e)“ für ihre zweiteilige Performance „Niemals aus dem Sinn“, die sich mit dem Leben Theodor Haeckers und den Trägern des nach ihm benannten Preises beschäftigt.

    Der Theodor-Haecker-Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben. Erster Preisträger war der russische Menschenrechtler Sergej Kowaljow, die Laudatio hielt Gerd Ruge. Preisträgerin im Jahr 1997 war Jehan Sadat, die Laudatio übernahm Sabine Christiansen, 1999 wurde der Preis an die algerische Journalistin Salima Ghezali verliehen, Laudator war Heiko Engelkes. Eine außerordentliche Preisverleihung fand im Jahr 2000 an den weißrussischen Oppositionspolitiker Viktor Gontschar statt, die Laudatio hielt Gabriele Krone-Schmalz. 2001 wurde die serbische Menschenrechtlerin und Friedensforscherin Vesna Pesic ausgezeichnet, Laudator war Peter Miroschnikoff, 2003 erhielt der ruandische Theologe Laurien Ntezimana den Preis, Laudator war Hans-Josef Dreckmann. Preisträgerin im Jahr 2005 war die türkische Rechtsanwältin Eren Keskin, die Laudatio hielt Dieter Sauter. Im Jahr 2007 wurde der Preis der mexikanischen Menschenrechtsaktivistin Judith Galarza zuerkannt, die Laudatio hielt Michael Castritius, 2009 wurde Kitwe Mulunda Guy aus der Demokratischen Republik Congo mit dem Preis ausgezeichnet, Laudator war Peter Schreiber.

    Theodor Haecker wurde 1879 in Eberbach geboren und starb 1945 in Ustersbach. Er hat einen großen Teil seines Lebens in Esslingen verbracht. Während des Nationalsozialismus war Haecker mit Redeverbot belegt. In dieser Zeit entstand sein wichtigstes Werk, die Tagebuchaufzeichnungen "Tag- und Nachtbücher". Diese Tagebuchnotizen zählen zu den beeindruckendsten Reflexionen über den Faschismus. Sie sind das Dokument eines Intellektuellen im inneren Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dem Widerstand gegen das Hitler-Regime galten Haeckers Ausführungen als eines der wichtigsten schriftliche Dokumente. Haecker hatte Bindungen an den Kreis der Geschwister Scholl, in dessen Runde er mehrfach Auszüge seiner "Tag- und Nachtbücher" vortrug.

    Dr. Peter Kastner
    Kulturreferent


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    Für die Medien: Unter www.esslingen.de, Kultur & Tourismus sind Informationen zum Theodor-Haecker-Preis und den Verleihungen der letzten Jahre abgespeichert.
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