PressemitteilungNummer: 0183Datum: 05/08/2019

Aktueller Stand der PCB-Untersuchungen


Aktueller Stand der PCB-Untersuchungen

PCB gehören chemisch zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffe.
Baulich eingesetzt wurden PCB bis in die 80er Jahre vorwiegend in Fugenmassen und Flammschutzmitteln. Im Wesentlichen sind daher Gebäude aus den Jahren 1965–1980, welche mit Fertigteilen gebaut wurden, betroffen.

Die aktuell geltende Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteilen von Gebäuden, legt Grenzwerte fest, beschreibt, wie Bauprodukte, die PCB enthalten, gesundheitlich zu bewerten sind, wie Sanierungen durchgeführt werden können und welche Schutzmaßnahmen dabei beachtet werden müssen. Die Richtlinie definiert Grenzwerte und koppelt diese mit Handlungsempfehlungen.

Wesentliche Inhalte der PCB-Richtlinie

Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB/m³ Luft sind demnach als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert).

Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3000 ng PCB/m³ Luft ist die Ursache der Raumluftverunreinigung aufzuspüren, unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zu beseitigen oder zumindest eine Verminderung der PCB-Konzentration, z. B. durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume, zu erreichen.

Bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3000 ng PCB/m³ Luft sollten unverzüglich Maßnahmen zur Verringerung der Raumluftkonzentration ergriffen werden. Ziel von Sanierungsmaßnahmen ist ein Wert von unter 300 ng PCB/m³. Diese Werte gelten für alle Arten von PCB, mit einer Ausnahme. Das dioxinähnliche PCB 118 muss gesondert betrachtet werden, hier besteht bereits ab einer Konzentration von 10ng/m³ Luft Handlungsbedarf.

Ergebnisse der PCB-Werte-Untersuchungen

Bei der laufenden Untersuchung der städtischen Gebäude werden Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen mit höchster Priorität behandelt. Auch werden die Gebäude auf weitere Schadstoffe wie Asbest oder alte Dämmstoffe untersucht. Für sechs Schulen liegen bereits entsprechende Ergebnisse vor.

An der Grundschule Sulzgries wurde bereits im Frühjahr 2017 ein Gutachten zur Untersuchung der PCB-Belastung erstellt. Nach ersten Sanierungsarbeiten wurde im September 2018 die Raumluftkonzentration in den Klassenzimmern auf weniger als 300 ng/m³, also unter den Vorsorgewert, gesenkt. In den kommenden Sommerferien werden Sanierungsarbeiten auch in den Fluren den Wert von derzeit 500 ng/m³ auf weniger als 300 ng/m³ reduzieren. PCB 118 lag unter der Nachweisgrenze.

An der Zollbergrealschule wurden seit Oktober 2018 PCB-Untersuchungen durchgeführt. Ergebnisse dieser Untersuchungen waren PCB-Werte über 3000 ng/m³, PCB 118 von 7 bis 41 ng/m³. Das Landesgesundheitsamt sieht, entsprechend der Grenzwerte in der PCB-Richtlinie, akuten Handlungsbedarf, aus gesundheitlicher und toxikologischer Sicht besteht jedoch keine Notwendigkeit einer sofortigen Einstellung des Schulbetriebes an der Zollbergrealschule.

Konzentrationsmindernde Maßnahmen und Probesanierungen wurden umgehend eingeleitet. Ziel dieser Probesanierungen war es, die Ursache der Belastung zu erörtern und den Handlungsrahmen für die Sanierung aller Räume festzulegen. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine umfassende Sanierung unumgänglich ist. Das Schulgebäude wird während dieser Kernsanierung geschlossen, der Schulbetrieb wird mittels einer Containerlösung am Standort sichergestellt. Die Beschaffung von ca. 70 Container ist bereits veranlasst, mit dem Ziel, das Bestandsgebäude nach den Pfingstferien zu räumen. Ein Büro, welches die Sanierungsmaßnahmen plant und abwickelt, ist bereits beauftragt. Im Zuge dessen wird auch untersucht, ob die Sanierung oder ein Neubau der Zollbergrealschule die wirtschaftlichere Lösung darstellt. Die Schulleitung der Zollberg-Realschule, das Lehrerkollegium, der Elternbeirat und das staatliche Schulamt befürworten eine Containerlösung. Ein Umzug in die freiwerdenden Räume der Adalbert-Stifter-Schule ist aus pädagogischer Sicht nicht umsetzbar.

An der Realschule Oberesslingen wurden im April 2019 PCB-Werte zwischen 400 und 1140ng/m³ gemessen. Die Werte für PCB 118 liegen unterhalb der Nachweisgrenze, andere Schadstoffe wurden nicht gefunden. Die Maßnahmenwerte einer PCB-Belastung sind deutlich unterschritten. Ein Lüftungskonzept wird bereits umgesetzt, entsprechende Sanierungsmaßnahmen werden in den Sommerferien mit dem Ziel durchgeführt, die Werte deutlich unter den Vorsorgewert zu drücken.

An der Adalbert-Stifter-Schule wurden bei Raumluftmessungen keinerlei Schadstoffe gemessen. Die Ergebnisse der Feststoffmessungen liegen noch nicht vor.

An der Lerchenäcker Schule wurde bei Raumluftmessungen in einem Raum eine geringe PCB-Konzentration von 39ng/m³ gemessen. Akute Maßnahmen sind nicht erforderlich.

An der Grundschule St. Bernhard wurden im April PCB-Werte zwischen 255 und 675ng/m³ gemessen. Die Belastung durch PCB 118 liegt zwischen 5 und 16ng/m³. Ein Lüftungskonzept wird umgesetzt, die Ursache der Belastung geprüft und Sanierungsmaßnahmen werden eingeleitet.

Gleichzeitig werden Schadstoffuntersuchungen an weiteren 18 Schulgebäude und 11 Kindertagesstätten und Kindergärten eingeleitet. Bereits bei Überschreitung des Vorsorgewerts werden konzentrationsmindernde Maßnahmen umgesetzt und die Sanierung eingeleitet. Kontrollmessungen über das ganze Jahr werden die Ergebnisse sichern.

Die Stadtverwaltung informiert weiterhin über neue Messwerte und Sanierungsmaßnahmen und -fortschritte. Sämtliche Messergebnisse, Präsentationen und weiteres Material zur aktuellen PCB-Problematik finden Sie unter https://www.esslingen.de/pcb

gez. i.V.

Ignazio Ceffalia




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