PressemitteilungNummer: 0491Datum: 11/26/2018

Fahrplan für Sanierung Geiselbachstraße vorgestellt
Vollsperrung nach Vorarbeiten 2019 erst ab Frühjahr 2020



Fahrplan für Sanierung Geiselbachstraße vorgestellt 

Vollsperrung nach Vorarbeiten 2019 erst ab Frühjahr 2020 

Im Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderates und in einer Pressekonferenz stellte die Esslinger Stadtverwaltung am 26. November öffentlich den weiteren Fahrplan zur Sanierung der Geiselbachstraße mitsamt dem Kanalbauwerk unter dieser Straße vor. Demzufolge verschiebt sich der bisher im Juni 2019 vorgesehene Beginn einer Vollsperrung auf Frühjahr 2020. Ursache dafür sind die langwierigen statischen Untersuchungen am Absturzbauwerk und die Erarbeitung der noch ausstehenden Vorgaben des Landesdenkmalamtes. Über die geplanten einzelnen Ausbauvarianten, die kombinierten Arbeiten der Versorgungsunternehmen sowie die jeweiligen verkehrlichen Auswirkungen der Ausbauabschnitte informiert die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage unter www.baustellen.esslingen.de/geiselbachstrasse

Nach Aussage der Stadtverwaltung können die Kanalplanungen erst Anfang 2019 weitergeführt werden. Erst dann sei klar, wie die Kanaltrasse im Bereich der historischen Bausubstanz verlaufen kann. Eine Ausschreibung der Bauleistungen kann dann frühestens im Sommer 2019 erfolgen. Und die Umsetzung der nur unter Vollsperrung möglichen Bauleistungen verschiebt sich damit auf das Frühjahr 2020. Auf das Jahr 2019 werden hingegen einzelne Bauleistungen wie etwa die Einbringung eines sogenannten Inliners in den unteren Bereich der Straße sowie Arbeiten an der Gas, Wasser und Stromversorgung von benachbarten Haushalten vorgezogen, sodass die bestehende Einbahnregelung weiter aufrecht erhalten bleibt.

Untersuchungen hatten gezeigt, dass neben der Geiselbachstraße, auch der mehr als hundert Jahre alte, aus Sandstein gemauerte, verdolte und mittig unter der Straße verlaufende Mischwasserkanal, sanierungsbedürftig ist.  Der Geiselbach entwässert das Einzugsgebiet Rüdern, Sulzgries und Krummenacker (insgesamt 440 ha). Das gesamte Niederschlagswasser, Schmutzwasser, Drainagewasser und Oberflächenwasser aus dem Gebiet wird darüber abgeleitet. Die Abnutzung des Kanalbauwerks durch die immer stärker zunehmende Verkehrsbelastungen in der Geiselbachstraße haben den Zustand stark verschlechtert. So kann die Standfestigkeit des Bauwerks im momentanen Zustand nicht mehr dauerhaft gewährleistet werden. Im oberen Abschnitt, zwischen Sulzgrieser Straße und Turmstraße, hat der Kanal nur eine geringe Überdeckung von ca. 60 cm. Die Vermessungen hatten ergeben, dass die Setzungen in der Straßendecke direkt mit den Schäden im Kanal im Zusammenhang stehen. Dieser rund 500 m lange obere Abschnitt muss zeitnah saniert bzw. erneuert werden. Dies kann in weiten Abschnitten nur unter einer Vollsperrung der betroffenen Straßenabschnitte erfolgen. Dazu muss dann der gesamte Verkehr über Alexanderstraße, Barbarossastraße und Kirchackerstraße zum Hirschlandkopf abgeleitet werden. Die Detailplanung des unteren Abschnittes hängt derzeit von der Bewertung der vom Landesamt für Denkmalschutz (LAD) geforderten und vom Tiefbauamt beauftragten Untersuchung des unterirdischen Absturzbauwerkes im Kanalbereich zur Einmündung der Turmstraße ab.

Interimslösung bleibt zunächst bestehen 

Seit 2017 wurden bereits sog. Sofortmaßnahmen umgesetzt, um die Straße weiterhin als funktionierende Verkehrsachse in Betrieb halten zu können. Die zulässige Geschwindigkeit wurde auf 20 km/h reduziert und das zulässige Fahrzeuggesamtgewicht auf max. 7,5 to beschränkt. Provisorische Abdeckungen aus einer Stahlmatte samt zusätzlicher Asphaltdecke wurden in einige Straßenabschnitte eingebaut. Damit wird die Straße über dem Kanal soweit stabilisiert, damit neben Fahrzeugen bis 7,5 to auch Linienbusse und Sonderfahrzeuge wie Müll weiterhin fahren können. Diese Vorkehrungen sichern die Nutzbarkeit der Straße bis zur umfänglichen Sanierung.

Denkmalschutz untersucht historische Bauwerke 

Im Bereich des Absturzbauwerks kreuzt die alte Stadtmauer den Geiselbachkanal. In diesem Bereich befand sich auch ein altes Stadttor. Beide Anlagen mussten zwar oberirdisch dem Straßen- und Leitungsbau weichen, es sind aber noch Reste der Fundamente im Untergrund vorhanden. Um beurteilen zu können, ob dieses Bauwerk technisch erhalten werden kann, forderte das Landesamt für Denkmalschutz (LAD) eine detaillierte und vom Tiefbauamt beauftragte Untersuchung des Absturzbauwerkes. Die Ergebnisse haben maßgeblichen Einfluss auf die Grundzüge der Kanalplanung, den Projektzeitplan und die Projektkosten. Nach den Untersuchungen vor Ort und deren Auswertungen wird ein bereits beauftragtes und vom LAD zertifiziertes Ingenieurbüro eine statische Beurteilung zum Absturzbauwerk vornehmen. Ein Bericht wird Ende 2018 erwartet. Daraus sollten sich zwei Alternativen zur Führung des Kanals und die Führung sämtlicher anderer Leitungsträger ergeben. Sie sind auf der städtischen Homepage www.baustellen.esslingen.de/geiselbachstrasse näher beschrieben.

Endgültige Sanierung in Ausbauschritten 

Die Planungen zur Sanierungen bzw. dem Neubau des Straßen- und Kanalabschnitts zwischen dem Altstadtring (Augustinerbrücke) und der Sulzgrieser Steige laufen derzeit auf Hochtouren

Kanalbauwerk: Aufgrund seiner unterschiedlichen Zustände und verschiedener Bauarten lässt sich der Kanalabschnitt in drei Teilbereichen einteilen:

Bereich 1 „Neubau“ (Länge ca. 230 Meter):
Zwischen der Sulzgrieser Straße und der Einmündung Mittlere Beutau in die Geiselbachstraße weist der vorhandene Geiselbachkanal eine viel zu geringe Überdeckung bezogen auf die Straßenoberkante auf (teilweise nur bis zu 60 cm). Die Fugen des mit Sandsteinen ausgebildeten Gewölbes in der Kanaldecke sind bereits weitestgehend ausgespült und nicht mehr vorhanden, erste Steine lösen sich bereits von der Decke. Ein Neubau des Kanals in diesem Bereich ist alternativlos. Es ist geplant, den Kanal in seiner alten Trassenlage wieder neu zu bauen. Bedingt durch die beengten räumlichen Verhältnisse und die einzuhaltenden Richtlinien zur Sicherheit auf Baustellen müssen die Neubauarbeiten zu großen Teilen unter Vollsperrung erfolgen.

Bereich 2 „Sanierung“ (Länge ca. 260 Meter):
Im unteren Abschnitt zwischen Turmstraße und Altstadtring handelt es sich um einen Betonkanal. Die Überdeckung zur Straßenoberkante ist im Vergleich zu Bereich 1 deutlich größer und beläuft sich auf ca. 2 Meter und mehr. Dennoch wurden Risse im Beton festgestellt, die eine Sanierung erforderlich machen. Hierzu werden auf die gesamte Länge über eine Baugrube GFK-Rohre mit ca. 2 Meter Länge und einem Rohrdurchmesser von ebenfalls ca. 2,0 Meter in der Untergrund gebracht und mechanisch vorwärts getrieben.

Bereich 3 „Absturzbauwerk“ (Länge ca. 34 Meter): Im Verbindungsbauteil zwischen den beiden erstgenannten Bereichen befindet sich ein sog. Absturzbauwerk, um den Versatz in der Kanalsohle, der bis zu 2 Meter beträgt, höhenmäßig auszugleichen. Das Bauwerk hat eine Ausdehnung von ca. 34 Meter Länge, ca. 3 Meter Breite und zwischen 2 und 3,5 Meter lichte Höhe.

Zeitgleiche Erneuerung Hausanschlüsse und Abwasserführung:
In den oben genannten Abschnitten müssen ca. 200 Hausanschlüsse an den Kanal untersucht und teilweise auch erneuert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass das gesamte Abwasser mangels Alternativen durch die Geiselbachstraße abgeleitet werden muss. Somit muss auch während der Bauphase das gesamte Abwasser sicher um die Baustelle herum geleitet werden. Bei stärkeren Niederschlägen können hier bis zu 18 m³/s abfließen (18.000 Liter pro Sekunde, oder ein Lastzug pro Sekunde). Diese Wassermengen können über keine provisorische Wasserhaltung abgeleitet werden, so dass bei stärkeren Niederschlägen die Kanalbaustelle eingestellt und geflutet werden muss. Um die Zugänglichkeit zu den Gebäuden für die Anwohner, aber auch für die Rettungsdienste jederzeit ausreichend gewährleisten zu können, können die Bauarbeiten deshalb nur in kleineren Bauabschnitten realisiert werden.

Hinzu kommen Arbeiten der Leitungsträger: Im gesamten Bereich des Neubaus, des Absturzbauwerks und in Teilen des Bereichs Sanierung werden die Stadtwerke Esslingen sowie andere Leitungsträger vorhandene Leitungen in großem Umfang umlegen bzw. ersetzen.

Straßenbau: Die Entwurfsplanung für den Straßenbau ist weitgehend abgeschlossen. Die Rahmenplanung für die Straßen- und Gehwegbreite wie für einen Radstreifen bergauf in der Mittleren Beutau sind ebenfalls auf der Homepage erläutert. Die Radweg-Planung sieht den Wegfall von 5 Bäumen und ca. 15 Stellplätzen vor, dafür werden 3 Bäume im gesamten Baufeld neu gepflanzt.

Die Gesamtkosten für die Sanierung bzw. die Erneuerung des Kanals sowie den Straßenbau in der Geiselbachstraße beziffert die Verwaltung auf der Grundlage einer ersten Kostenschätzung aus 2017 auf rund 7 Mio €. Davon entfallen 2,3 Mio. Euro auf den Straßenbau und 4,9 Mio. Euro auf die Kanalerneuerung und Kanalsanierung. Kostensteigerungen infolge der angespannten Baukonjunktur, Verkehrslenkungsmaßnahmen, möglicher neuer Entwicklungen im Bereich der Leitungsverlegungen und des Denkmalschutzes werden von der Verwaltung erwartet. Sobald die Randbedingungen geklärt sind, können die Fachbüros aktuelle Kostenberechnungen vorlegen.

Auswirkungen auf den Verkehr 

Für die Sanierung der Geiselbachstraße wurden im Vorfeld Konzepte ausgearbeitet, wie der Umleitungsverkehr jeweils abgewickelt werden kann. Neben möglichen Alternativen für den ÖPNV, Radfahrer und Fußgänger werden insbesondere für den motorisierten Individualverkehr (MIV) Umleitungsstrecken untersucht und optimiert. 

Derzeitige Situation 

Eine Einbahnregelung ist im Zuge der Arbeiten an der Augustinerbrücke bis voraussichtlich Frühjahr 2019 eingerichtet. Der Verkehr in Richtung RSKN wird über den Hirschlandkopf, die Rotenackerstraße, Barbarossastraße und Alexanderstraße wieder in die Krummenackerstraße geführt. 

Motorisierter Individualverkehr (MIV) 

Die derzeit bereits eingerichtete Umleitungsstrecke zur Einbahnregelung wird auch während der anstehenden Vollsperrung die Haupt-Umleitungsroute stadteinwärts sein. Bis zum Beginn der Vollsperrung werden sämtliche Knotenpunkte auf Ihre Leistungsfähigkeit hin überprüft. Insbesondere der Hirschlandkopf soll verbessert werden: keine Linksabbiegemöglichkeit von der Rotenackerstraße in die Kennenburger Straße, keine Linksabbiegemöglichkeit von der Hirschlandstraße in die Wielandstraße mehr. Eine entsprechende Umleitung für die entfallenden Linksabbiegerbeziehungen ist geplant. Durch den Wegfall der Linksabbieger kann die Leistungsfähigkeit des Knoten erheblich gesteigert werden. Gemeinsam mit einem externen Fachbüro für Verkehrsplanung und der Verkehrskommission werden die Schritte zur Verkehrslenkung vorbereitet. Einzelne Schritte wurden bereits umgesetzt: So wurden am Alexanderbuckel ein Kreisel errichtet und die Lichtsignalanalage am Lenaudenkmal (Mülbergerstraße) an die neuen Verkehrsströme angepasst. Am Neckar Forum wurde eine zweite Rechtsabbiegespur eingerichtet. 

Zwei Routen für den ÖPNV geplant 

1. Mögliche Bustrasse über Uhlbach: Sofern die Stadt Stuttgart zustimmt, soll zwischen Sulzgries und Obertürkheim über Uhlbach gefahren werden. Ein detailliertes Konzept dazu liegt vor und wurde bereits mit den zuständigen Behörden der Stadt Stuttgart und dem SSB, dem Träger des ÖPNV auf Stuttgarter Gemarkung, abgestimmt. Werktags soll zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr abends im Viertelstunden Takt gefahren werden.

2. Die Änderung der Linie 109: Darüber hinaus soll die Linie 109 weiterhin Richtung Stadt bis zu Baustelle fahren und über eine Schleife über den Hellerweg und die Sulzgrieser Steige wenden. So können die Fahrgäste, die direkt in die Innenstadt wollen, bis vor die Baustellen gefahren werden und die Baustelle dann zu Fuß passieren. Am Altstadtring kann man dann entweder in weitere Buslinien einsteigen oder zu Fuß weiter gehen. Verkehrsrechtlich wie ordnungsrechtlich ist eine Umleitung des Verkehrs über die Weinberge nicht möglich. 

Einführung einer Busspur auf der Umleitungsroute stadteinwärts

Um den ÖPNV während der Vollsperrung auf der Umleitungsstrecke in Spitzenzeiten stadteinwärts attraktiv zu halten, arbeitet die Verwaltung mit einem extern Verkehrsplaner an einer Lösung, den Bus am Stau vorbei zu führen. Hierzu liegt ein Verkehrsentwurf vor, der von der Barbarossastraße bis zum Neckar Forum bis auf wenige Ausnahmen eine separate Busspur ausweist.

Radfahrer/Fußgänger 

Fußgänger können an der Baustelle Geiselbach mit den vorgeschriebenen Mindestbreiten vorbei gehen. Radfahrer, die ebenso direkt an der Baustelle vorbei wollen, müssen in diesen kurzen Abschnitten schieben. Für  Radfahrer, die die Route über die Umleitungsstrecke nutzen, besteht zudem  die Möglichkeit, in der Busspur stadteinwärts mitzufahren. Die Gegenrichtung ist derzeit noch mit einem Schutzstreifen ausgestattet. Hier wird auf Parallelstraßen eine alternative Radroute ausgeschildert.  Parallel werden in den Außenbereichen zwischen Rüdern und Obertürkheim sowie zwischen Neckarhalde und Mettingen vorhandene Staffeln in den Weinbergen ertüchtigt. Ob und wie sich eine Beleuchtung entlang dieser Staffeln technisch und wirtschaftlich darstellen lässt, wird derzeit geprüft.

Gez. Roland Karpentier 

Pressereferent 

Weitere Infos unter https://baustellen.esslingen.de/geiselbachstrasse 





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