PressemitteilungNummer: 0945Datum: 11/23/2020

Auswirkungen der Trockenheit auf den Stadtwald


Auswirkungen der Trockenheit auf den Stadtwald

Die Stadt Esslingen am Neckar ist im Landkreis Esslingen mit 1.680 ha Waldfläche die Kommune mit dem größten Waldbesitz. Artenreiche Laubbaum-Mischwälder mit einem hohen Laubholzanteil von 80 % und einem Nadelholzanteil von 20 % kennzeichnen den Stadtwald. Zum Vergleich: Bundesweit beträgt der Nadelholzanteil aktuell noch ca. 56 % und auch in Esslingen lag er in den 1970er Jahre noch bei rund 47%. Gerade Regionen mit unnatürlichen hohen Nadelholzanteilen wie Schwarzwald oder Sauerland haben derzeit massivste Schäden durch Borkenkäferbefall zu beklagen.

Der hohe Buchenanteil im Esslinger Stadtwald spiegelt die natürliche Waldgesellschaft wider, denn in einem Urwald hier bei uns hätte die Buche die besten Voraussetzungen und würde in sehr hohen Anteilen vorkommen. Der hohe Buchenanteil ist ein Indiz für die große Naturnähe unseres Waldes. Und die Bewirtschaftung der Esslinger Wälder folgt konsequent dem Konzept der „Naturnahen Waldwirtschaft“ mit dem Ziel eines gesunden, struktur- und artenreichen Mischwaldes. Alles das sind beste Voraussetzungen für einen gesunden Wald – sollte man meinen! Dennoch haben die letzten 3 Trockenjahre 2018, 2019 und 2020 dem Wald schwer geschadet, wie Revierleiter Ingo Hanak jetzt den Mitgliedern des Ausschusses für Technik und Umwelt erläuterte.

Derzeit das größte Sorgenkind ist die Buche. Denn der Esslinger Stadtwald hat einen besonders hohen Anteil an alten Buchen. Und die sind von den Trockenjahren überproportional beeinträchtigt. Derzeit sind 400 ha Buchenbestände im Alter zwischen 120 und 180 Jahren von teilweise bestandsbedrohenden Dürreschäden betroffen! Der Grund dafür: Die Buche erträgt nur schlecht extreme Sonneneinstrahlung, hohe Temperaturen und bis in tiefe Schichten ausgetrocknete Böden. Nach den Dürresommern 2018/2019 ist der Boden auch in 2020 sehr stark ausgetrocknet. Buchen können trotz ihrer tiefgründigen Herzwurzeln zu wenig Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen. Vor allem alte Buchen können sich nicht mehr auf die veränderten klimatischen Bedingungen einstellen. Sie zeigen die schwersten Symptome: Kronen trocknen von oben her ab. Dürre Kronenteile können herabfallen und zur Gefahr für Waldbesucherinnen und -besucher und Forstarbeiterinnen und -arbeiter werden. Eine Regeneration geschädigter Altbuchen ist aus den Erfahrungen des Jahrhundertsommers 2003“ leider nicht zu erwarten.

Das Jahr 2018 war in Deutschland das wärmste und in einigen Regionen Deutschlands auch das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Es folgten 2019 der drittwärmste und der sonnenreichste Sommer seit 1881 mit erheblichen Auswirkungen auf unsere Wälder.

„Zwar ist der Waldumbau im Stadtwald seit 30 Jahren kontinuierlich im Gange, doch wird dieser langwierige Prozess noch weitere Jahrzehnte dauern“, beurteilt Hanak die Situation. „Denn der Klimawandel hat sich inzwischen für jeden erkennbar beschleunigt.“ Auch wenn die nächste Generation von Bäumen mit den veränderten Klimabedingungen besser zurechtkommen wird, weil sie sich von klein auf an die neuen Verhältnisse anpassen konnte, wird es in der Übergangsphase zwangsläufig zu gewöhnungsbedürftigen Waldbildern kommen.

Im Holzvorrat des Stadtwaldes sind aktuell 440.000 t Kohlenstoffdioxid gespeichert. Jedes Jahr werden in den mehreren Millionen Bäumen des Waldes weitere 13.000 t Kohlenstoffdioxid gebunden. Der Stadtwald trägt somit deutlich zum Klimaschutz in der Region bei. Mit der aktuellen Forsteinrichtungsplanung aus dem Jahr 2017 wurde der jährliche Hiebsatz auf 5,5 Erntefestmeter/ha festgelegt und liegt damit deutlich unter dem laufenden Zuwachs von 7,0 Erntefestmeter/ha. „Das heißt, es wird Jahr für Jahr deutlich weniger Holz eingeschlagen, als im gleichen Zeitraum nachwächst. Damit werden in diesem Jahrzehnt und voraussichtlich darüber hinaus, sukzessive CO2 - und Holzvorräte aufgebaut“, macht der Revierleiter die hohe Bedeutung des Stadtwaldes für den Klimaschutz deutlich.

Der Wald soll seine bisherige Erholungsfunktion trotz der Veränderungen im Klimawandel weiterhin erfüllen können. Der hohe Anteil an kronendürren Bäumen stellt aber eine stete Quelle von herabfallenden Dürrästen und umfallenden Bäumen auf Wegen dar. Hier muss vorausschauend eine ständige Begehbarkeit der Hauptwege sichergestellt werden. Der Aufwand für die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Dazu zählen auch die Aufwendungen für die Bekämpfung von wärmeliebenden Insekten, wie dem Eichenprozessionsspinner, von dessen Haarkleid im Raupenstadium gesundheitsschädigenden Auswirkungen für Waldbesucher ausgehen können.

Der städtische Forstbetrieb sieht deshalb nicht nur dringenden Bedarf für zusätzliche Kapazitäten bei der erforderlichen Kontrolle von Waldrändern entlang von Straßen, Wegen, Bebauungen und im Bereich der bestehenden Erholungseinrichtungen, sondern auch zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit bei der Fällung geschädigter Bäume und der Baustellenabsicherung in den zunehmend auch abseits der offiziellen Wege frequentierten Waldbereichen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bereits jetzt schon in der Pflege der neu gepflanzten und aus Naturverjüngung hervorgegangenen Jungwäldern. Dieser Flächenanteil, in dem sich die wesentlichen Stellschrauben für die Klimatauglichkeit des neuen Mischwaldes befinden, wird sich ebenfalls deutlich vergrößern. Die Ursachen für Waldschäden mögen vielfältig sein, so Revierleiter Hanak. „Abseits von forstlichen Fehlentwicklungen in der Vergangenheit hat es auch für die heimischste aller Baumarten im Stadtwald, die Buche, seit einigen Jahren einfach zu wenig geregnet.“

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Pressekontakt:

Grünflächenamt
Stadtförster Ingo Hanak
ingo.hanak@esslingen.de
0711-3512-2455

Gez. Michael Botsch,
Pressestelle




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