Redemanuskript

Thema / Anlass:Ausstellungseröffnung „Zugspiele. Märklinbahnen in Spur 1 und 0 1920-1940“
Datum:11/27/2016
Zeit:11:00 AM
Ort:Stadtmuseum im Gelben Haus
Redner:OBM Dr. Jürgen Zieger

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie heute Morgen herzlich hier im Stadtmuseum im Gelben Haus zur Eröffnung der neuen Ausstellung „Zugspiele“. Von heute an haben hier nun Modellbahnen der Spuren „1“ und „Null“ freie Fahrt und können bis 5. März 2017 von großen und kleinen Eisenbahnfreunden bestaunt werden.

Schon immer faszinierte es die Menschen, ihre Umwelt in verkleinertem Maßstab abzubilden, was zum bis heute andauernden Erfolg von Modelleisenbahnen beige-tragen hat. Und ganz nebenbei erwarben die Kinder durch technisches Spielzeug wie diese Eisenbahnen Fähigkeiten, die für sie in ihrem späteren (Berufs-) Leben von großem Nutzen sein konnten.

Gerade die technischen Neuerungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, wie die Eisenbahn, das Flugzeug und schließlich das Automobil haben dank ihrer Aktualität und der bestehenden Faszination für Technik und Maschinen rasch auch als Modell Einzug in die Kinderzimmer gehalten. Diese Spielzeuge zeichnen sich dabei häufig ebenfalls durch technischen Einfallsreichtum aus und begeistern bis heute Groß und Klein. Und viele von Ihnen erinnern sich sicher gerne an die eigene Modellbahnanlage, die mit viel Aufwand und Fantasie zu einer Welt nach eigenen Vorstellungen gestaltet wurde. Diese Begeisterung besteht bis heute fort – dies beweist schon die Resonanz der heutigen Veranstaltung.

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gab es vor allem für Jungen wohl kaum einen sehnlicheren Spielzeugwunsch als den Besitz einer Modelleisenbahn. Daher passt die Ausstellung auch so gut in die Advents- und Weihnachtszeit. Denn die Bahnen sind natürlich nicht nur beliebte Weihnachtsgeschenke, sondern in vielen Familien gehörte der Aufbau der Modelleisenbahn zum familiären Weihnachtsritual.

Zu Beginn waren diese Modellbahnlandschaften – das werden Sie nachher gleich selbst sehen können – aber mit erheblichem Platzaufwand verbunden, so dass gar nicht jedes Kind damit spielen konnte. Denn so viel Platz gab es nur in den Wohnungen der wohlhabenden Bürger. Hinzu kam, dass Fahrzeuge, Wagen und Zubehör schon damals nicht gerade preisgünstig waren.

Zwar gab es hier in Esslingen selbst keinen so weltweit bekannten Hersteller von Modelleisenbahnen wie im benachbarten Göppingen. Doch hat das Stadtmuseum vor einigen Jahren bereits in einer Ausstellung gezeigt, dass es auch hier zumindest nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus eine kleine aber feine Spielzeugindustriesparte gab. Und auch hier produzierten einige Hersteller Zubehör für die H-Null-Anlage: Weithin bekannt sind die Oberleitungsbusse im Maßstab H-Null der Firma Eheim, die auch noch allerlei weiteres Zubehör für die realistische Ausstattung der Eisenbahnanlage herstellte. Die Firma WIAD produzierte zunächst maßstabgerechte Häuser als Beiwerk für die Modelleisenbahnanlagen. Später kamen unter anderem Namen auch Eisenbahnmodelle hinzu. Diese wurden zwar in kleineren Stückzahlen als bei der Konkurrenz in Göppingen hergestellt, aber auch sie erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Modellbahnfans. Und nicht zuletzt stellte die Firma Seuthe Generatoren her, mit deren Hilfe Dampflokmodelle erst richtig unter Dampf gesetzt werden konnten.

Mein Dank gilt vor allem dem Leihgeber, der dem Stadtmuseum im Gelben Haus seine umfangreiche und hochwertige Sammlung von Modellbahnen und Zubehör der Firma Märklin zur Verfügung gestellt hat. Er möchte zwar nicht namentlich genannt werden, doch sind wir Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich bereit erklärt haben, die Ausstellung zu unterstützen. Die Überlassung Ihrer Sammlung für mehr als drei Monate ist nicht selbstverständlich, und es freut uns sehr, dass Sie sich entschlossen haben, die Arbeit des Stadtmuseums so großzügig zu unterstützen. Daher danke ich Ihnen herzlich für Ihre Leihgaben.

Danken möchte ich ebenfalls dem Team des Stadtmuseums, das die Wechselaus-stellungsräume des Museums für die kommenden Monate in eine überdimensionale Modellbahnanlage verwandelt hat, die hoffentlich keine Wünsche großer und kleiner Modellbahnfreunde offen lässt.
Ich freue mich sehr, dass gleich Herr Roland Gaugele eine Einführung in das Thema geben wird und danke Ihnen – Herr Gaugele – herzlich für Ihre Mitwirkung an der Ausstellungseröffnung. Kaum ein anderer wäre so gut wie Sie dazu geeignet.

Herr Gaugele ist nicht nur ein profunder Kenner der Modelleisenbahngeschichte, er war auch 30 Jahre lang selbst für die Firma Märklin tätig. Dort war er unter anderem für Produktmanagement und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, aber auch für das Mu-seum und Produktarchiv.

Zusätzlich organisierte er in den letzten Jahrzehnten zahlreiche große Ausstellungen rund um die Märklin-Modelleisenbahnen: so 1993 und 1999 auf der Insel Mainau, 2002/03 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, 2003/04 in der Kunsthalle in Tübingen und kurz darauf in Wien sowie 2008/09 die großen Jubiläumsausstellungen unter anderem in Brüssel, Berlin und Hamburg. Herr Gaugele, wir freuen uns auf Ihre Einführung im Anschluss an die Begrüßung durch Herrn Rilling.

Vielen Dank!