Redemanuskript

Thema / Anlass:Festakt 50 Jahre Städtepartnerschaft
Datum:05/18/2017
Zeit:06:00 PM
Ort:Altes Rathaus
Redner:Herr Dr. Zieger

Rede Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger beim
Festakt am Freitag, den 19. Mai 2017, 18.00 Uhr, Altes Rathaus/ Bürgersaal


Sehr geehrter, lieber Kollege Mike Vandersteen, liebe Julie Vandersteen,

verehrte Freunde des Mayors International Committee Sheboygan,

liebe Freunde von People to People Sheboygan Chapter,

geehrte Gäste und Freunde der Sheboyganer Bürgerschaft,

sehr geehrte Kollegen BM,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des GR,

Ulrich und Ute Bauer,

Dieter und Brigitte Deuschle,

liebe Esslingerinnen und Esslinger,

verehrte Damen und Herren,

im Mai 1967 beschloss der Esslinger Gemeinderat, eine Städtepartnerschaft mit Sheboygan aufzubauen. Dies war damals für Esslingen bereits die 6. Internationale Verbindung. Als erste Partnerstadt außerhalb Europas, sogar auf einem anderen Kontinent, hatte Sheboygan von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung für Esslingen und seine Einwohner.
Zur Erinnerung: Die erste Esslinger Delegation, die im Jahr 1968 nach Sheboygan reiste, zählte sage und schreibe 78 Personen. Und da es vor 50 Jahren nicht selbstverständlich war, einen Flug in die USA zu buchen nehme ich an, dass dafür sogar ein Flugzeug gechartert wurde. Ich weiß, dass wir heute Gäste unter uns haben, die damals mit dabei waren. Sie erinnern sich daran bestimmt gerne. Übrigens waren alle 78 Esslingerinnen und Esslinger in Sheboygan damals in Gastfamilien untergebracht.
Ein Jahr später, im Juni 1969, war die Zahl der Gäste noch größer: Es trafen 110 Gäste aus Sheboygan in Esslingen ein. Unter ihnen eine Gesanggruppe mit dem Namen „The Chambers Singers“. Sie nahmen am 1. Esslinger Burgfest teil und traten auch beim Esslinger „Sheboygan Tag“ auf. Und auch hier galt: Unterbringung in Gastfamilien. Organisiert wurden die Begegnungen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern in beiden Städten.
Das ist nun 50 Jahre her. Sie stimmen mir sicher zu, wenn ich sage, die Welt hat sich in diesen 50 Jahren gewaltig verändert. (Ende des Kalten Krieges, Wiedervereinigung, Globalisierung, Digitalisierung)
Nicht verändert hat sich hingegen die Tatsache, dass die Städtepartnerschaft mit Sheboygan nach wie vor gut aufgestellt ist und von einer tiefen Freundschaft getragen wird. Die Besuchergruppen sind inzwischen zwar erheblich kleiner geworden, die Begegnungen aber nicht weniger intensiv. Und, was bei der doch großen Entfernung (Sheboygan liegt ja nicht um die Ecke) wirklich außergewöhnlich ist: Es haben in diesem halben Jahrhundert mit nur ganz wenigen Ausnahmen in jedem Jahr Begegnungen und Austausche stattgefunden. Darunter so bemerkenswerte wie der des „Sheboygan Symphonie Orchesters“ mit ihrem bekannten Dirigenten Manuel Prestamo oder etwa die Konzertreise des Philharmonischen Chores Esslingen nach Sheboygan. Zu erwähnen sind hier auch die langjährigen engen Kontakte der Historischen Bürgergarde Esslingen nach Sheboygan sowie die Begegnungen und Konzerte des Gesangvereins Concordia Sheboygan und der Liederlust Mettingen.
Nicht zu vergessen die regelmäßigen Besuche des Mayors International Committee und des People to People Sheboygan Chapter in Esslingen. Sie haben sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, für ihre Mitglieder, für interessierte Bürgerinnen und Bürger und für Vertreter aus Verwaltung und Politik, Reisen nach Europa zu organisieren. Und dabei, wann immer möglich, einen Aufenthalt in der deutschen Partnerstadt Esslingen anzubieten. So sind Begegnungen von Delegationen mit offiziellem Charakter inzwischen zum guten Brauch geworden. Das ist gut so, denn – auch das hat sich in der Vergangenheit bewiesen – sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Festigung der Verbindungen.
Tief beeindruckt von der Gastfreundschaft ihrer Kolleginnen und Kollegen war auch die Freiwillige Feuerwehr bei ihrem Besuch in Sheboygan vor 5 Jahren. Sie wollten es sich deshalb nicht nehmen lassen, für die Gäste, unter denen sich auch der Chef des Fire Departments Sheboygan , Mike Romas und seine Frau Melanie, befinden, einen Nachmittag und Abend mit und bei der Freiwilligen Feuerwehr zu gestalten. Dafür herzlichen Dank.
Einen besonderen Stellenwert in der Partnerschaft hat jedoch der Schüleraustausch zwischen den High Schools Sheboygan und den Esslinger Gymnasien. Seit 1970 ist er eine konstante und solide Basis unserer Städtepartnerschaft: Schülerinnen und Schüler gehen für jeweils 5 ½ Monate in die Partnerstadt, leben in Gastfamilien und besuchen die Schule. Solche Austausch-programme vermitteln einen tiefen Einblick in die Werte und in die Kultur des Gastlandes und stärken die interkulturelle Kompetenz unserer Kinder. Ich halte das für außerordentlich wichtig und gerade im Zeitalter der Globalisierung für eine gute Investition in die Zukunft. Durch diesen Austausch, an dem über die Jahre hinweg mehr als 400 junge Menschen teilgenommen haben, sind zahlreiche Freundschaften zwischen Familien entstanden. Sie dauern teilweise über Jahrzehnte an.
Seit Februar haben wir zwei Schüler und eine Schülerin aus Sheboygan im Rahmen des Schüleraustausches in Esslingen. Nat, Ryan und Grace sind heute mit ihren Austauschpartnern zur Jubiläumsfeier gekommen. Seid alle herzlich begrüßt!
Der Erhalt des Schüleraustausches und die Begegnung junger Menschen im Rahmen unserer internationalen Beziehungen liegen mir sehr am Herzen.
Und ich möchte bei dieser Gelegenheit der Organisation People to People Sheboygan, dem Verein Esslingen-Sheboygan, der sich vor 10 Jahren in Esslingen gegründet hat, sowie den Schulleitern und Mentoren der Esslinger Gymnasien Anerkennung aussprechen für das große Engagement in dieser Sache. Herzlichen Dank an dieser Stelle den Vertretern dieser Organisationen und der Schulen.
Meine Damen und Herren, am 6. September 1946 hielt der damalige amerikanische Außenminister James F. Byrnes in Stuttgart eine aufsehenerregende Rede, die Speech of Hope. Mit ihr wurde der Grundstein für die deutsch-amerikanische Freundschaft gelegt.
Die Bereitschaft Westeuropas und der USA, Deutschland nach dem Ende der menschenverachtenden Nazidiktatur wieder mit der zivilisierten Welt und dem Westen zu versöhnen, war Voraussetzung zum Aufbau eines demokratischen Deutschland. Amerika hat uns nach dem Krieg den Weg in die westliche Staatengemeinschaft geebnet und mit dem Marshall-Plan die Basis für den wirtschaftlichen Wiederaufbau geschaffen. Ich halte es für wichtig, an einem solchen Jubiläum daran zu erinnern.
Die transatlantischen Beziehungen zwischen Europa und den USA sind Grundlage für Frieden, Vertrauen und Wohlstand in unseren Nationen. Neben dem Prozess der europäischen Einigung gehört diese Partnerschaft zu den Säulen deutscher Politik und des deutschen Selbstverständnisses.
Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat ein stabiles, sicheres Fundamt, es war jedoch in der Vergangenheit so mancher Belastungsprobe ausgesetzt. (Irakkonflikt, NSA)
Heute versucht die Weltgemeinschaft, Europa und natürlich auch Deutschland sich auf die neue Regierung von Präsident Trump einzustellen.
Bei allem Respekt vor den USA und ihren grossartigen Leistungen sind wir in Sorge über die Unberechenbarkeit des neuen amerikanischen Präsidenten und seiner Administration.
Wir setzen alle unsere Hoffnungen in das politische System
des checks and balance in den USA und auf die Kräfte, die die Grundwerte der westlichen Welt, geprägt von Frieden, Freiheit und Demokratie und der Atlantik-Brücke zwischen den USA, Europa und Deutschland, schützen und verteidigen
Wir stehen weltweit vor großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Verständigung über Grundhaltungen in Fragen von Völkerrecht, Menschen- und Bürgerrechten und Datenschutz ist nicht einfach. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, sich seiner Verantwortung und seiner Freundschaften immer wieder zu vergewissern.
Frieden und Freundschaft unter den Völkern sind ein besonderes Gut, das stetig der kontinuierlichen und intensiven Pflege bedarf.
Und damit komme ich zurück zu den Städtepartnerschaften. Der regelmäßige Austausch auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens, egal ob bürgerschaftlich, politisch oder wirtschaftlich, ist ein Aspekt, der mir vor dem Hintergrund unserer 10 europäischen und internationalen Städtepartnerschaften wichtig ist. Die Substanz unserer internationalen Verbindungen und Partnerschaften ist und bleibt die persönliche Begegnung von Menschen, der „people-to-people“- Kontakt. Verwaltung und Gemeinderat in Esslingen unterstützen und fördern die Kontakte und Verbindungen, die in den vergangenen 50 Jahren zwischen den Menschen unserer beiden Städte entstanden sind. Wir sind der Überzeugung, dass diese engen freundschaftlichen Bande heute wichtiger sind denn je.
Mit dieser Grundhaltung begrüssen wir unsere Gäste und Freude aus Sheboygan.
Neue Verbindungen zu fördern und zu begleiten, zählen wir deshalb selbstverständlich weiterhin zu den Aufgaben, die vom Referat Städtepartnerschaften im Esslinger Rathaus mit großem Engagement wahrgenommen werden.
Angesichts der zahlreichen persönlichen Verbindungen zwischen den Menschen unserer Städte kann der Blick in die Zukunft unserer Städtepartnerschaft nur optimistisch sein. Begründet wird der Optimismus auch durch die großartige und mit viel Elan geleistete Arbeit des People-to-People Sheboyban Chapters und des Vereins zur Förderung der partnerstädtischen Beziehungen zwischen Esslingen und Sheboygan e.V. – kurz Verein Esslingen-Sheboygan.
Nicht zuletzt durch das große ehrenamtliche Engagement ihrer Vereinsmitglieder wird aus der Städtepartnerschaft zwischen Esslingen und Sheboygan gelebter Austausch und gelebte Freundschaft zwischen Bürgerinnen und Bürgern. Dafür danke ich Ihnen an dieser Stelle sehr herzlich.
Lieber Kollege und Freund Mike Vandersteen,
liebe Gäste aus Sheboygan und Esslingen,
die jahrzehntelange Städtepartnerschaft Sheboygan – Esslingen lebt. Seit Mittwoch kann man das Symbol dafür in dem Freundschaftsbaum sehen und erleben, den wir gemeinsam im Merkel Park gepflanzt haben: Ein Zucker-Ahornbaum, der als offizieller Staatsbaum des Staates Wisconsin gilt.
Ich bin zuversichtlich und wünsche uns, dass unsere Freundschaft weiter wachsen werde und die Städtepartnerschaft den Menschen in Esslingen und Sheboygan auch in der Zukunft viele Möglichkeiten bieten wird, an gemeinsamen Begegnungen und Austauschen teilzunehmen.
Lieber Mike, bevor ich dir das Rednerpult überlasse, möchte ich dir ein Geschenk der Stadt Esslingen überreichen. Dazu muss ich aber einige erklärende Worte hinzufügen:
Im Bericht der Esslinger Zeitung im August 1968 über den ersten Besuch einer Esslinger Gruppe in Sheboygan wurde der Willkommensgruß der Sheboyganer abgebildet. Er symbolisiert die Weltkugel, vor der sich zwei die Hände reichen mit dem Spruch „Hands across the Sea“. Wir haben diesen Gruß als Erinnerung an diese Jubiläumsfeier in eine moderne Form verpackt und hoffen, dass er einen schönen Platz im Sheboyganer Rathaus findet.