Redemanuskript

Thema / Anlass:Einweihung des umgestalteten Berkheimer Sees
Datum:06/13/2018
Zeit:02:30 PM
Ort:Seewiesenweg
Redner:Herr OBM Dr. Jürgen Zieger

Es gilt das gesprochene Wort:

Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,

sehr geehrte Vertreter/innen des Bürgerausschusses, sehr geehrte Damen und Herren,

wir befinden uns hier am Berkheimer "See", an einem zentralen Ort in Berkheim, der vielen Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist und als identitätsstiftend wahrgenommen wird. Der ehemalige Feuerlöschteich, der nach wie vor durch Quellwasser gespeist wird, wurde in den 70er Jahren zu einer Grünanlage mit Erholungsfunktion umgestaltet. Hier am See, an der Straße "Seewiesenweg", kommt jeder vorbei, der von der B10 aus Richtung Esslingen nach Berkheim möchte. Diese örtliche Visitenkarte Berkheims taucht in jeder aktuellen Ortsbeschreibung auf. Und die Berkheimer feiern hier alljährlich ihr Seewiesenfest. Der See ist den Berkheimerinnen und Berkheimern also wichtig.

Durch erheblichen Wasserverlust der Teichanlage innerhalb der letzten Jahre entstand dringender Handlungsbedarf. Nachdem Ursache und Umfang des absinkenden Wasserspiegels näher untersucht worden waren, stand fest: Die löchrige Dichtungsfolie muss ersetzt werden. Und dazu ist eine vollständige Räumung der Flächen erforderlich.

Der Bürgerausschuss hat 2016, nach eingehender Beratung, ein eindeutiges Votum an den Gemeinderat gegeben. Dieser hat sich dafür ausgesprochen, dem Wunsch der Berkheimerinnen und Berkheimer zu entsprechen und ihren Berkheimer See als "Wahrzeichen" und als beliebte Grünfläche durch Bereitstellung der notwendigen Sanierungsmittel zu erhalten.

Dem klaren Votum aus dem Bürgerausschuss Berkheim hatte sich der Gemeinderat angeschlossen, dem vom Grünflächenamt vorgelegten Entwurfskonzept zugestimmt und die erforderlichen Mittel in Höhe von 250.000 Euro zur Umsetzung im Haushaltsplan 2017 bewilligt.
Damit die Bauarbeiten beginnen konnten, wurde nach Einholung der erforderlichen Genehmigungen beim RP der Fischbestand durch Fachleute des Fischereivereins Esslingen abgefischt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für dieses besondere Engagement der mitwirkenden Vereinsmitglieder!

Die Durchführung der Arbeiten selbst verlief nicht ganz ohne Hürden. Denn Schwierigkeiten bei Ausbau und Abfuhr des Schlamms und das anhaltend nasse Wetter führten zu einer ungeplanten Bauzeitenverlängerung. Die anstehenden Probleme konnten jedoch gelöst werden, das Wetter spielte schließlich auch wieder mit und Dank dem kooperativen und engagierten Einsatz der ausführenden Firma Mayer aus Leutenbach stehen wir heute vor der fertig gestellten Anlage.

Durch Abrücken von den umgebenden Bäumen weist die neue Anlage im Vergleich zur alten Anlage eine etwas kleinere Wasserfläche auf. Der Abstand vom Wurzelwerk der umgebenden Bäume soll die Lebenserwartung der Foliendichtung erhöhen. Schäden durch Wurzeln und UV-Licht sollen dadurch vermieden werden. Zugleich wird der Eintrag von Laub vermindert. Dies soll eine neue Verschlammung des Teichs verlangsamen.

In der Neuplanung wurde eine umlaufende Flachwasserzone vorgesehen, die durch Bepflanzung mit heimischen Wasserpflanzen wie Froschlöffel und Sumpfschwerlilie ökologisch aufgewertet wird. Durch das bewachsene Ufer werden dem Gewässer Nährstoffe entzogen und damit das natürliche Gleichgewicht des Teichs gefördert. Die flachen Uferböschungen wurden naturnah mit Gehölzen bepflanzt.

Das Grünflächenamt hat die Notwendigkeit zum Einbau der neuen Dichtung zur Sanierung der unmittelbar umgebenden Flächen genutzt. So wurden die schadhaften, in die Jahre gekommenen Pflanzgefäße aus Waschbeton entfernt und durch eine durchgängige Baumreihe aus Silber-Linden ersetzt. Neue Baumstandorte sind, wie Sie alle wissen, ein wichtiger und nachhaltiger Beitrag zu Klimaausgleich durch Beschattung und Verdunstung. Sie helfen uns bei der Anpassung an die unabwendbaren Folgen der Klimaveränderung hier im Ballungsraum. Schadhafte, nicht mehr verkehrssichere Belagsflächen wurden ebenfalls erneuert. Ein kleiner Bankplatz mit Blick auf die Teichanlage lädt zum Verweilen ein.

Ein wichtiges, im Rahmen der Sanierung verfolgtes Ziel ist die Erhöhung der Artenvielfalt, der Biodiversität. Es soll mittelfristig ein möglichst artenreiches naturnahes Kleingewässer entstehen, das Lebensraum für viele Pflanzen-und Tierarten bietet. Dazu wurde das Pflanzkonzept für die Uferbereiche mit Fachleuten der Lehr-und Versuchsgärten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen HfWU abgestimmt. Ansaaten wurden mit standortgerechten heimischen Kräutermischungen vorgenommen.

Auf ausdrückliche und dringende Empfehlung der Fachleute für Artenschutz soll auf größere Fischarten wie z.B. Karpfen künftig verzichtet werden. Zudem ist ohnehin mit einer Ansiedlung von Amphibien zu rechnen. Um insgesamt ein ausgeglichenes, ökologisches Gleichgewicht zu gewährleisten, sollen deshalb lediglich Kleinfische wie z.B. Moderlieschen oder Bitterling aus autochthonen Beständen eingesetzt werden.
Ich finde, dieser besondere Ort hat durch die Neugestaltung sehr gewonnen. Es ist eine Grünanlage entstanden, die dauerhaft und zeitgemäß zur Erholung einlädt, aber auch nachhaltig ökologische Ziele einbezieht.

Das in der Bürgerschaft beliebte und traditionell alljährlich gefeierte Seefest kann nun wieder, wie gewohnt, in der sanierten Grünfläche gefeiert werden.

Umso mehr danke ich allen an diesem Projekt Beteiligten: dem Gemeinderat für die Bereitstellung der notwendigen Haushaltsmittel, dem Bürgerausschuss für die Begleitung des Projekts und das engagierte Votum zur Neugestaltung. Und den ausführenden Firmen für tatkräftigen Einsatz.

Ich wünsche dem Berkheimer See und der umgebenden Grünanlage ein langes und beschwerdefreies Leben, artenreiche Pflanzen-und Tierbestände und hoffe, dass dieser kleine Park für viele Menschen ein Ort der Erholung und Entspannung wird.