Redemanuskript

Thema / Anlass:Rede und Ablauf der Verleihung des Theodor-Haecker-Preises
Datum:07/02/2017
Zeit:11:00 AM
Ort:Neckar-Forum
Redner:Herr Dr. Zieger





Ablauf der Verleihung des Theodor-Haecker-Preises an

Urmila Chaudhary, 2. Juli 2017, 11:00 Uhr, Neckar Forum

1. Musik
Franz Liszt (1811–1886), Konzertetüde „Gnomenreigen“

Jonathan Panter, Klavier

2. Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger
Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich heiße Sie alle im Neckar Forum herzlich willkommen zur Verleihung des „Theodor-Haecker-Preises für politischen Mut und Aufrichtigkeit“, des „internationalen Menschenrechtspreises der Stadt Esslingen“.

Meine Damen und Herren,

die Stadt Esslingen ehrt seit über 20 Jahren mit dieser Preisverleihung herausragende Persönlichkeiten, die sich für Menschenrechte, Frieden, Freiheit und Demokratie einsetzen. Den Anfang machte im Jahr 1995 der russische Menschenrechtler Sergej Kowaljow, dem in den Folgejahren weitere Preisträgerinnen und Preisträger aus Osteuropa, aus Afrika, aus dem arabischen Raum, der Türkei oder aus Aserbaidschan, aus dem Iran und Mexiko sowie Brasilien und seit heute Nepal folgten.

Schon diese geographischen Zuordnungen verweisen auf Brennpunkte, aus denen wir Menschen für ihr besonderes Engagement ehren.

Wenn wir einen Blick auf die Preisträgerinnen und Preisträger werfen, so bemerken wir, dass die große Mehrheit Frauen sind. Das fällt auf, es verwundert mich aber nicht. In vielen Regionen der Welt sind es gerade die Frauen, die Mut zum Widerstand entwickeln müssen. Denn sie sind es häufig, die in besonderem Maße unter Diskriminierung und Unterdrückung leiden. Das trifft auch – und zwar in besonderem Maße – auf unsere diesjährige Preisträgerin, Urmila Chaudhary, zu. Die Tatsache, dass einige unserer Preisträgerinnen zu den Verfolgten dieser Welt gezählt werden müssen und manche auch akut bedroht sind, werte ich als erschütternden Beleg dafür, wie wichtig solche Menschenrechtspreise sind. Mit dem „Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit“ werden Menschen für ihr Wirken ausgezeichnet und gewürdigt. Gleichzeitig bietet die damit verbundene Aufmerksamkeit, die auch das über die Preisverleihung hinausgehende große Engagement der Esslinger Bürgerinnen und Bürger für die Preisträgerinnen und ihre Sache mit einschließt, zumindest einen gewissen Schutz. Der Preis ist also deutlich mehr als eine Auszeichnung und ich darf dazu kurz über unsere letzten beiden Preisträgerinnen sprechen.Preisträgerin des Jahres 2013 war die aserbaidschanische Bürgerrechtsaktivistin Dr. Leyla Yunus. Sie kämpft gegen Korruption und Willkürherrschaft in ihrem Land, setzt sich für politisch Inhaftierte ein, prangert Vergehen wider die Menschenrechte an und arbeitet als Leiterin des Instituts für Frieden und Demokratie (Institute of Peace and Democracy).

Im Mai 2014 wurde Leyla Yunus durch die Behörden in Aserbaidschan kurzzeitig und im August 2014 gemeinsam mit ihrem Mann, Arif Yunus, erneut festgenommen. Sofort nach ihrer Festnahme erhielt Leyla Yunus Unterstützung aus Esslingen. Als politischer Vertreter verschickte ich selbst Briefe, um Aufmerksamkeit für Leyla Yunus zu generieren. Dabei wandte ich mich mehrfach an den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, an den Vorsitzenden des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Bundestag, an den Menschenrechtsbeauftragten im EU-Parlament, an den Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Markus Grübel sowie die deutsche Botschaft in Baku und den Honorarkonsul Aserbaidschans in Stuttgart.

Auch der Esslinger Frauenrat sowie die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wurden aktiv, verschickten Briefe und eine Petition an den Präsidenten Aserbaidschans. Amnesty International Esslingen übernahm die Patenschaft für Leyla Yunus. Die Stadt Esslingen und vor allem ihre Bürgerinnen und Bürger zeigten sich solidarisch mit ihrer Theodor-Haecker-Preisträgerin und arbeiteten alle entschlossen daran, Leyla Yunus im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen.

Ende 2015 werden Leyla Yunus und ihr Mann aus der Haft entlassen und im April 2016 erreichte uns die Nachricht, dass sie nach Amsterdam zu ihrer Tochter ausreisen konnten.

Meine sehr geerhrten Damen und Herren, Sie können sich vorstellen, wie erleichtert wir waren und wie sehr ich mich persönlich gefreut habe, als wir Anfang des Jahres Leyla und Arif Yunus erneut in Esslingen begrüßen durften. Der Gesundheitszustand der beiden hatte in ihrer Haft gelitten und sie berichteten von brutaler Folter, der sie ausgesetzt waren. Die Spuren ihrer Haft waren nicht zu übersehen, aber die beiden waren keine gebrochenen Menschen, sondern voller Kampfgeist und Tatendrang, aus dem Exil weiter für ihre Sache zu arbeiten.

Die Unterstützung aus Esslingen war dabei für Leyla Yunus und ihren Mann wichtig. Auch wenn Frau Yunus selbst die Briefe nicht erhielt, bestätigte sie uns, dass vor allem die Behörden in ihrem Heimatland ständig dadurch erinnert wurden, dass das Schicksal von Leyla Yunus im Ausland verfolgt wurde. Ich möchte die Rolle Esslingens und der Esslinger Bürgerinnen und Bürger nicht überbewerten. Aber, und das wissen wir, eine sichtbare Aufmerksamkeit macht jedem Regime zumindest deutlich, dass es nicht möglich ist, eine unangenehme Kritikerin einfach unbemerkt verschwinden zu lassen.

Die letzte Preisträgerin von 2015, die Sie auch noch in guter Erinnerung haben, ist Laísa Santos Sampaio. Sie ist eine Streiterin für Umweltschutz und gegen Unrecht aus Brasilien, wo sie in besonders mutiger Weise gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und damit verbunden das Unrecht kämpft, das vielen Menschen in diesem Zusammenhang angetan wird. Ihr beinahe aussichtslos erscheinender Kampf verdeutlicht den Konflikt zwischen der ohnmächtigen, überwiegend indigenen Bevölkerung und einem schwer zu durchdringenden internationalen Geflecht aus Politik und Wirtschaft.

Seit der letzten Preisverleihung hat sich in Esslingen ein Unterstützerkreis für Laísa Santos Sampaio und ihre Arbeit gebildet. Mit einer erfolgreichen Spendenaktion wurden Gelder für ein Steinhaus gesammelt, um die Aktivistin zu unterstützen. Auch für sie ist der Theodor-Haecker-Preis mehr als eine (auch finanziell dotierte) Ehrung. Sie hat in Esslingen Partnerinnen und Partner gefunden, die sich ihrer Sache angenommen haben. Sie werden mir zustimmen, dass der Preis nach innen und nach außen wirkt. Nach außen, indem er Menschen in ihrer Arbeit unterstützt. Nach innen, indem er zur politischen Bildung in Esslingen beiträgt. In unserer Stadt hilft der Preis dabei, ein Verständnis zu vermitteln, dass wir alle Verantwortung haben und übernehmen können. Dass unser Denken und Handeln nicht an den Stadt- oder Staatsgrenzen endet.

Die Kriege, Konflikte und das viele Unrecht der Welt sind in ihrer Masse und Entfernung für uns sehr abstrakt. Wenn wir davon in den Nachrichten erfahren, dann übermannt uns oft ein Gefühl der Ohnmacht. Insofern ist es hilfreich, konkreten Personen zu begegnen, die mit ihrem Wirken Missständen entgegentreten. Dies zeigt uns, dass auch unser Engagement in Esslingen eine Wirkung auslösen kann, öffnet uns Möglichkeiten, wie wir agieren können und stellt Verbindungen her. Wir alle können durch den Theodor-Haecker-Preis und das damit verbundene Engagement als Menschen wachsen.

Aktuell ist unsere ehemalige Preisträgerin Eren Keskin akut von Inhaftierung in der Türkei bedroht. Wir haben eine Unterschriftenliste sowie Unterstützerkarten für Sie ausgelegt und freuen uns, wenn möglichst viele von Ihnen dadurch ihre Solidarität mit Eren Keskin ausdrücken würden. Zusätzlich setzt sich auch die Stadt Esslingen bei den türkischen Behörden für Frau Keskin ein.

Meine Damen und Herren, in meinen bisherigen Worten ist schon deutlich geworden, dass hinter dem Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen ein politisches Konzept steht, ein Kerngedanke, der sich mit jenen Menschenrechten verbindet, die in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegt sind. Der Preis, den die Stadt Esslingen vergibt, trägt nicht umsonst den Namen Theodor Haeckers.

1879 geboren, verbrachte Haecker weite Teile seiner Kindheit, Jugend und seines frühen Erwachsenenlebens in Esslingen. Haeckers Biographie ist alles andere als bruchlos: Vorehelich geboren erlebte er aus nächster Nähe mit, wie sein als Esslinger Ratsschreiber amtierender Vater 1905 wegen Betrugs unehrenhaft entlassen wurde. Haecker selbst verließ die Schule mit dem „Einjährigen“, also ohne Abitur, absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Merkel & Kienlin, um dann aber mit seinem Freund Ferdinand Schreiber nach München zu gehen. Zwischen Verlagstätigkeit, einem Philosophiestudium und eigenen schriftstellerischen Versuchen pendelnd, gehörte Haecker schon im Ersten Weltkrieg zu den wenigen Intellektuellen, die sich der nationalen Kriegsbegeisterung entzogen. Er negierte entschieden, dass ein Christ den Krieg „mitmachen“ könne. „Da spricht ein Unbedingter, ein unter dem heillosen Wahnsinn der Zeit bis zur Raserei Leidender“, schrieb Hermann Hesse über Haecker.

Dabei standen auch dem zwischenzeitlich zum Katholizismus konvertierten Haecker bekanntermaßen noch größerer Wahnsinn und noch schrecklichere Zeiten bevor: Die politische, ökonomische und moralische Not der Weimarer Republik, an sich schon schlimm genug, mündete im Schrecken von NS-Diktatur, Weltkrieg und Holocaust. Mit Vortrags- und Schreibverbot belegt, vorübergehend festgenommen, wurde Haecker selbst schließlich von der Gestapo beschattet. Und er stand auch wegen seiner Nähe zu den Mitgliedern der Weißen Rose kurz vor der Anklage wegen Hochverrats. Ständig in Angst musste der schwer erkrankte Theodor Haecker München schließlich verlassen – das Ende der Herrschaft Hitlers und seiner Gefolgsleute erlebte er nicht mehr: Er starb am 9. April 1945.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Theodor Haecker, zum Zeitpunkt der Machtübergabe an Hitler und die Nationalsozialisten ein nicht mehr gesunder Mann von 53 Jahren, war kein Widerstandskämpfer. Man wird ihn wohl denjenigen zurechnen müssen, die in der „inneren Emigration“ verblieben und hofften, dass die Zeit vorübergehe, in der „unter den Augen Gottes das Böse die Macht hat“, wie er einmal schrieb.

Was Haecker sich aber nie nehmen ließ, was er vielmehr bewusst und zäh weiterentwickelte, war seine geistige Unabhängigkeit. In seinem Nachlass fand man eine Notiz, in der er formulierte: „Ich habe nicht die Macht zu verhindern, dass heute das Gesindel die Welt regiert, aber gegen eines kann ich mich Gott sei Dank doch wehren, so schwach ich auch bin, dass mir nämlich das Gesindel die Welt erkläre. Hier bin ich nicht wehrlos“.

Wehrlos war Haecker auch deshalb nicht, weil er seine theologisch-philosophisch entwickelten, ebenso auf die Transzendenz abzielenden wie scharfen Analysen nicht allein seinen „Tag- und Nachtbüchern“, seinen geheimen Aphorismensammlungen anvertraute, die er in der Nazi-Zeit verfasste. Haecker besaß daneben offenbar kraft seiner Persönlichkeit und der unbedingten Präzision seines Denkens eine magnetische Anziehungskraft auf jüngere Menschen. Die Flugblätter der „Weißen Rose“ strotzen geradezu von Gedanken, Formulierungen und Anregungen, die ihre jugendlichen und zur Tat schreitenden Verfasser direkt von Haecker übernommen bzw. abgeleitet haben. Haecker mit seinem unbedingten Plädoyer für Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Demut und Glaube ist somit einer der wesentlichen Mentoren des unglaublich mutigen Widerstands der „Weißen Rose“ geworden. Dier gehört bis heute zu den eindrucksvollsten Manifestationen von Zivilcourage, Unbeugsamkeit und Mut im Verlauf der deutschen Geschichte.

Liebe Gäste, Widerstand auf der Grundlage eines Wertefundaments, das eben nicht die jeweils bestehenden Verhältnisse per se als gottgegeben, gerecht und zumindest nicht zu ändern ansieht, kann verschiedene Formen annehmen. Theodor Haecker hat die ihm gemäße Form gezeigt: das Nachdenken, das Schreiben, das Bewahren von humanen und göttlichen Werten. Aber auch: das Weitergeben seiner Gedanken, als Inspirator, als Wegweiser und Lehrer an die Jugend.

Sie, sehr geehrte Frau Chaudhary, repräsentieren in ihrer Jugend genau den Mut, die Tatkraft und Handlungsbereitschaft, die jüngeren Menschen eigen ist. Mit Ihnen hat die Stadt Esslingen im Jahr 2017 eine ganz besondere Preisträgerin.

Der Kampf von Urmila Chaudhary begann bereits im Alter von sechs Jahren. In diesem Alter wurde sie als Kindersklavin an eine Familie in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu verkauft. Dieses Schicksal ist im Westen Nepals keine Seltenheit, es hat dort Tradition. Viele arme Familien, insbesondere Angehörige der Tharu-Volksgruppe, verkaufen ihre Töchter als Haushaltssklaven. Sie werden dann als Kamlahari bezeichnet, was in etwa als „hart arbeitende Frau“ übersetzt wird. Nur handelt es sich nicht um Frauen, sondern um Kinder und Jugendliche. Die Rechte der Kinder werden dabei erheblich verletzt. Schon im Kindesalter müssen die Mädchen schwere körperliche Arbeiten verrichten und haben in der Regel keine Chance, eine Schule zu besuchen. Zusätzlich werden die Kindersklavinnen häufig Opfer sexuellen Missbrauchs.

12 Jahre lebte Urmila Chaudhary als Kamlahari und setzt sich seitdem für andere Kindersklavinnen ein. Sie war Mitbegründerin und zeitweise Präsidentin des „Freed Kamalari Development Forum“. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen befreit sie, oft unter persönlichem Risiko, Mädchen aus der Sklaverei. Und darüber hinaus setzt sich die Organisation auch dafür ein, dass diese ehemaligen Sklavinnen eine Schul- und Berufsausbildung erhalten.

Urmila Chaudhary, ich heiße Sie und Ihren Begleiter, Herrn Man Bahadur Chhetri von der Nepal Youth Foundation in Esslingen herzlich willkommen.

Die Laudatio für Urmila Chaudhary hat dankenswerterweise Gabór Halász übernommen. Herr Halász ist seit 2000 für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig und arbeitete für West-, Mittel- und Norddeutschen Rundfunk, unter anderem berichtete er für Tagesschau und Tagesthemen. Von 2012 bis 2017 war er Südasien-Korrespondent im ARD-Studio Neu-Delhi.

Südasien ist ohne Zweifel eine der komplexesten Regionen der Welt. Dabei dominieren die Atommächte Indien und Pakistan sowie seit Anfang des Jahrtausends Afghanistan die Berichterstattung in den deutschen Medien. Umso wichtiger ist es für uns, mit Herrn Halász einen Experten in Esslingen zu haben, der auch die bei uns medial weniger präsenten Gegenden der Region, wie etwa Bangladesch oder abseits von Naturkatastrophen eben auch Nepal, gut kennt.

Sehr geehrter Herr Halász, wir hätten keinen geeigneteren Laudator für Frau Urmila Chaudhary finden können, mit großer Freude begrüße ich auch Sie in Esslingen.

Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich Frau Krägeloh, Herrn Alpbek, Herrn Karasu und Herrn Acar von dem Projekt HEROES – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre, die heute die Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis erhalten.

Für die musikalische Gestaltung dieses Vormittags bedanke ich mich bei dem Pianisten Jonathan Panter sowie dem Geiger Denis Makram und seinem Partner am Klavier Robert Lokhov. Die jungen Musiker sind Schüler unserer Städtischen Musikschule und haben Anfang Juni beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in ihrer Kategorie jeweils die zweiten Preise erhalten – eine sehr große Leistung. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Ganz herzlich begrüße ich alle Gäste von nah und fern, die mit ihrer Anwesenheit die Solidarität mit den Zielen des Preises und seiner Empfängerin bekunden.

Herzlich willkommen heiße ich den Parlamentarischen Staatssekretär und Bundestagsabgeordneten Markus Grübel. Ich begrüße den Landtagsabgeordneten Wolfgang Drexler sowie die Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr. Ganz herzlich heiße ich die Mitglieder des Esslinger Gemeinderates willkommen.

Ebenso begrüße ich meine Bürgermeister-Kollegen und die Vertreter der Kirchen. Ich heiße die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen willkommen, insbesondere von Amnesty International, von Plan International und weitere Wegbegleiter von Urmila Chaudhary.

Ich begrüße sehr herzlich die Nachfahren und Verwandten Theodor Haeckers sowie deren Angehörige:

Johannes Haecker mit Familie, Simona Wagner-Haecker und Familie Kranz. Besonders freue ich mich über den Besuch von Bürgermeisters Dr. Max Stumböck, Erster Bürgermeister der Gemeinde Ustersbach, wo Theodor Haecker die letzten Lebensjahre verbracht hat und wo sich auch sein Grab befindet.

Ein Gruß gilt den Vertreterinnen und Vertretern von Presse, Funk und Fernsehen und ich bedanke mich, dass Sie mit Ihrer Berichterstattung die Arbeit unserer Preisträgerin und das Anliegen des zu vergebenden Preises fördern.

Ich freue mich besonders über die Akzeptanz, die der Theodor-Haecker-Preis bei der Bevölkerung besitzt.

Ihre Anwesenheit und Ihre Vorschläge sowie Ihr vielfältiges Engagement für unsere Preisträgerinnen und Preisträger, meine Damen und Herren, bezeugen das große Interesse an dem Preis und die Verbundenheit mit seinen Zielen: Achtung der Menschenrechte und das Eintreten für eine menschenwürdige Welt in Frieden.

3. Verleihung der Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis durch OB Dr. Zieger. Projekt HEROES, Berlin / Neukölln, Projektleiterin Martina Krägeloh.
Der Gemeinderat hat 1995 auch die Vergabe einer Theodor-Haecker-Ehrengabe an solche Personen oder Gruppen beschlossen, die sich in besonderer Weise um das Leben und Werk Theodor Haeckers verdient gemacht haben oder sich mit den Themen „Gewalt“, „Frieden“ oder „Diktatur“ auseinandersetzen.

Für wissenschaftliche Arbeiten wurden 1995 Professor Siefken und Prälat Hanssler ausgezeichnet, es folgten Ehrungen im Jahr 2003 an Hildegard Vieregg, 2005 an Barbara Schüler, 2009 an Dr. Winfrid Halder und 2013 an Dr. Barbara Ellermeier für ihre „Hans Scholl Biografie“.

1997 wurde Thomas Ruf posthum für das Eintreten um das Werk Theodor Haeckers und 1999 Gerhard Schreiber für seine Verdienste, das Werk Theodor Haeckers nachdrücklich wieder bekannt gemacht zu haben, geehrt.

2001 erhielt die Esslinger Schülerin Sarah Stocker die Ehrengabe für ihre Erzählung „Ich verreise“ und 2007 wurde erstmals eine Gruppe ausgezeichnet. Das Fanprojekt Babelsberg erhielt die Ehrengabe für sein Eintreten gegen rechte Gewalt, Rassismus und neonazistische Tendenzen.

2011 wurde die Esslinger Theatergruppe Stage Divers(e) für ihr Theaterprojekt über Theodor Haecker ausgezeichnet, 2015 ging die Ehrengabe an die Organisation Soroptimist International / Club Esslingen.

In diesem Jahr geht die Ehrengabe an das Projekt HEROES in Berlin- Neukölln. Das Projekt ist an Jugendliche aus sozialen Milieus mit streng ehrenkulturellen und archaisch-patriarchalen Strukturen gerichtet und soll Gleichberechtigung der Geschlechter und Selbstbestimmung fördern. HEROES arbeitet dabei hauptsächlich mit jungen deutschen Männern im Alter von etwa 16 bis 23 Jahren aus der zweiten oder dritten Generation von Einwandererfamilien.

Von den HEROES begrüße ich Projektleiterin Martina Krägeloh, Gruppenleiter Can Alpbek und die beiden HEROES Semih Reşit Karasu und Serhat Acar, die stellvertretend für Viele nach Esslingen gekommen sind.

(HEROES auf die Bühne)

Sehr geehrte Frau Krägeloh, sehr geehrter Herr Alpbek, Herr Karasu und Herr Acar, ich gratuliere Ihnen stellvertretend für alle HEROES zur Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis und darf die Verleihungsurkunde verlesen.

(OB verliest Verleihungsurkunde.)

Für die Bewusstmachung von überkommenen Vorstellungen von Ehre und Männlichkeit, für das Engagement gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie demokratischen Grundsätzen in unserer Gesellschaft erhält

HEROES – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre aus Berlin

die Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit - Internationaler Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen am Neckar 2017 verliehen.

2. Juli 2017

Oberbürgermeister

Die Ehrengabe werden Sie für eine gemeinsame Aktion der HEROES verwenden, darum hier nur ein symbolisches Geschenk. Ich darf Ihnen, Herr Karasu und Herr Acar, die Sie sich in Workshops zu HEROES haben ausbilden lassen, um dann als Vorbilder weiterzuwirken, das Wort übergeben.

(Statement HEROES)

Vielen Dank Ihnen beiden!

Ich wünsche Ihnen persönlich und dem ganzen Projekt weiterhin viel Erfolg bei Ihrer wertvollen Arbeit.

Der Gemeinderat hat aus vielen Vorschlägen, die aus der Bevölkerung kamen, die Kinderrechtsaktivistin Urmila Chaudhary zur Preisträgerin gewählt.

Ich darf Sie, sehr geehrter Herr Gabór Halász, nun bitten, die Laudatio auf unsere Preisträgerin zu halten.

4. Laudatio auf Urmila Chaudhary durch Gabór Halász
5. Verleihung des Theodor-Haecker-Preises an Urmila Chaudhary durch OB Dr. Zieger
Sehr geehrter Herr Halász, haben Sie vielen Dank für Ihre würdigenden Worte zur Person und zur Arbeit von Urmila Chaudhary.

Verehrte Frau Urmila Chaudhary, der Gemeinderat der Stadt Esslingen am Neckar hat Sie zur Trägerin des Theodor-Haecker-Preises für politischen Mut und Aufrichtigkeit ernannt. Die Entscheidung wurde begründet mit dem großen Mut und Engagement, mit dem Sie für die Befreiung, für die Rechte und für die Bildung von versklavten Mädchen in Nepal eintreten. Mit ihrer Arbeit sind sie Hoffnungsträgerin der Kamlahari geworden. Mit der Zuerkennung des Preises wird auch Ihre Arbeit für die Organisation Freed Kamalari Development Forum gewürdigt. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen haben Sie Ihre Stimme erhoben und geben sich und anderen Mädchen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Wir hoffen mit Ihnen, dass es gelingen kann, in Ihrem Heimatland Nepal einen gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Die Vergabe des Theodor-Haecker-Preises an Urmila Chaudhary ist Ausdruck dieser Hoffnung, dass sich Kinder- und Frauenrechte und überhaupt Menschenrechte weltweit durchsetzen.

Sehr geehrte Urmila Chaudhary, ich freue mich sehr, Ihnen im Namen der Stadt Esslingen am Neckar den Theodor-Haecker für politischen Mut und Aufrichtigkeit 2017 überreichen zu dürfen. Ich darf Sie zu mir aufs Podium bitten.

Der Text der Verleihungsurkunde lautet:

Für ihr Engagement und ihren Einsatz für die Befreiung, für die Rechte und für die Bildung von versklavten Mädchen in Nepal sowie für ihre Arbeit in der Organisation Freed Kamlari Development Forum, bei der sie gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen unter persönlichem Risiko Kindersklavinnen befreit und ihnen die Chance auf eine Schul- und Ausbildung gibt, verleiht die Stadt Essligen am Neckar

Frau Urmila Chaudhary

den Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit

Internationaler Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen am Neckar

2. Juli 2017

Oberbürgermeister

Sehr geehrte Frau Urmila Chaudhary, ich darf Sie nunmehr bitten, zu uns zu sprechen. Dankenswerterweise wird Herr Hema Adhikary Ihre Rede übersetzen.

6. Rede von Urmila Chaudhary
7. Schluß und Eintrag ins Goldene Buch

Verehrte, liebe Urmila Chaudhary, nochmals herzlichen Dank für Ihr Kommen, Ihre Worte voll Engagement, die uns sehr bewegt und beeindruckt haben. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre weitere mutige Arbeit für Menschenrechte, gegen Kindersklaverei und die Ausbildungschancen für junge Mädchen.

Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Halász, für die Würdigung unserer Preisträgerin.

Herzlichen Dank, Herr Adhikary für die Übersetzung.

Ich danke allen Beteiligten und Anwesenden des heutigen Vormittages.

Ich darf Sie noch auf 2 Veranstaltungen zur Preisverleihung aufmerksam machen:

Heute Abend um 18.00 Uhr lädt die vhs in ihren Räumen zum Politischen Forum ein. Der Laudator Gabór Halász moderiert das Gespräch zwischen Urmila Chaurhary und Irene Jung von „terres des femmes – Menschenrechte für die Frau e.V.“ zum Thema „Nepal – eine Demokratie ohne Frauenrechte?“.

Veranstalter sind die Volkshochschule, das Kulturamt und das Referat für Chancengleichheit mit freundlicher Unterstützung der Ortsgruppe von amnesty international, Frauen helfen Frauen e.V. und Wildwasser Esslingen e.V. Die Gäste bei der Podiumsdiskussion sind herzlich zum anschließenden kleinen Empfang eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Am Dienstag um 19 Uhr zeigt das Kommunale Kino den Dokumentarfilm „Urmila – für die Freiheit“ von Regisseurin Susan Gluth. Urmila Chaudhary sprich im Anschluss mit Bernhard Wiesmeier, vhs, über ihre Arbeit und ihre Geschichte.

Ich bitte Sie nunmehr um den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

8. Musik
Fazil Say (*1970)

Sonate

Ausführende:Denis Makram – Violine Robert Lokhov – Klavier