Redemanuskript

Thema / Anlass:Baustart zum Umbau der Sporthalle Weil zur Mehrzeckhalle erfolgt
Datum:05/02/2017
Zeit:02:00 PM
Ort:Sporthalle Weil
Redner:OBM Dr. Jürgen Zieger

Rede von OBM Dr. Jürgen Zieger zum Start von Umbau und Sanierung

der Sporthalle Weil zur Multifunktionshalle am Dienstag, 2. Mai, 14 Uhr, Weilstraße 2

Sehr geehrte Frau Parlamentarische Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter,

sehr geehrte Damen und Herren Mandatsträger,

liebe Vertreter der Bürgerausschüsse, der beteiligten Vereine und Nutzer, der Fachbehörden und der Presse,

liebe Vertreter der am Bau beteiligten Firmen, Nachbarn und Anwesende,

wo etwas verändert und modernisiert wird, entsteht in der Regel etwas Neues für die zukünftigen Nutzer. Dies gilt auch für unsere dringend sanierungsbedürftige Sporthalle Weil: Mit einer symbolischen Demontage der alten Alu-Fassade wird heute nicht nur die Sanierungs- und Umbauphase, sondern auch eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Nutzungskonzepts eingeläutet. Ich freue mich, dass Sie alle kommen konnten und begrüße Sie herzlich zum Baubeginn.

Schon seit einigen Wochen ist die Sporthalle Weil gesperrt. Die Vorbereitungen für den Umbau sind bereits im Gange und nun kann es losgehen. Die Sporthalle, die im Jahr 1972 gebaut und 1989 teilsaniert wurde, ist sichtlich in die Jahre gekommen. Sie wird als Sporthalle für Schul- und Vereinssport und für Sportveranstaltungen genutzt. Zukünftig soll sie jedoch mehr sein als nur eine Sporthalle: Neue Räume und neue Nutzungen werden aus ihr eine Multifunktionshalle machen, die auch für Integration und Inklusion steht.

Die Förderung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit macht diese Weiterentwicklung möglich, die einen wichtigen Eckpfeiler des „Sportpark Weil“ darstellt. Für ihre zukünftige integrative und multifunktionale Rolle hat die Halle die besten Voraussetzungen: Alleinstellungsmerkmale sind ihr Bekanntheitsgrad in der Region, ihre große Grundfläche; ihr großes Spielfeld, die Nähe zum Einkaufszentrum „Neckarcenter“, die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die äußere Wahrnehmbarkeit von der B 10 aus sowie die Anbindung in die Quartiere. Im Zuge der Projektumsetzung sollen zudem in den kommenden Jahren rund 160 Parkplätze geschaffen werden, um Gästen, die mit dem Auto anreisen, eine komfortable Erreichbarkeit der Halle zu ermöglichen.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert bis Ende 2018 bundesweit Projekte mit einer Gesamtsumme von insgesamt 140 Millionen Euro. Mit Hilfe des Förderprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ kann nun auch die Weiler Halle modernisiert werden – inklusive Barrierefreiheit und energetischer Sanierung. Wir sind sehr stolz, dass wir mit unserem Konzept im Ministerium überzeugen konnten. Über 1.000 Anträge hat es gegeben. Nur 56 wurden bewilligt, davon 7 in Baden-Württemberg. Mein Ehrengast, die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, wird gleich noch näher darauf eingehen.

Die Gesamtkosten für den Umbau und die Sanierung der Sporthalle liegen bei 7,69 Millionen Euro. Von den Projektkosten übernimmt der Bund rund 3,2 Millionen Euro. Mit der quartiersbezogenen Einbindung des Vorhabens in unser Städtebauprojekt „Soziale Stadt Mettingen-West, Brühl, Weil“ konnten wir eine maßgebliche Voraussetzung für die Förderung erfüllen, denn mit der „Sozialen Stadt“ setzen wir gerade in diesen drei Stadtteilen auf die verbindende und integrierende Wirkung des Sports. Dies auch vor dem Hintergrund, dass in naher Zukunft in den Stadtteilen Weil und Brühl neuer Wohnraum für fast 1.000 Menschen entsteht und sich somit die Bevölkerungsstruktur im Quartier stark verändern wird.

Ein weiteres, zentrales Ziel hat dazu beigetragen, dass unser Bauprojekt in das Förderprogramm aufgenommen wurde: Das erhebliche Investitionsvolumen soll nicht nur die Sporthalle Weil zukunftsfähig gestalten. Zugleich sollen mit der Sanierung auch die ehrgeizigen Klimaziele Esslingens erreicht werden: 25 % weniger CO2 bis 2020 im gesamten Stadtgebiet. Um dieses Ziel zu erreichen, verabschiedete der Gemeinderat schon im Jahr 2010 ein umfassendes Klimaschutzkonzept.

Bei der Sporthalle wird eine Primärenergieeinsparung um 56 % und eine Reduktion der CO2-Emmissionen um 65 % angestrebt. Dazu wird eine Wärmedämmung der Fassade und des Daches vorgenommen, für die Sporthalle und die Gymnastikräume wird eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Zusätzlich werden die Halle und die Gymnastikräume mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Damit erreicht das Gebäude fast Neubaustandard.

Die Außenwände entsprechen derzeit nicht den heutigen energetischen Standards, genauso wie weite Teile der haustechnischen Anlagen. Auch die Anforderungen des Brandschutzes sind teilweise nicht mehr auf aktuellem Stand. Die bauphysikalischen- und baukonstruktiv-statischen Mängel werden durch eine gezielte Sanierung der einzelnen Bauteile behoben. Das Hallendach erhält einen neuen, wärmegedämmten Dachaufbau, beim nördlichen Anbau als Gründach. Im Tragwerkskonzept wurden die Lasten einer Solaranlage berücksichtigt, sodass eine Installation auf dem Dach zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein wird.

Das Förderprogramm gibt einen engen und ambitionierten Zeitplan vor: Bis Ende 2018 soll der Umbau komplett abgeschlossen und die Halle mit einem Eröffnungsfest eingeweiht werden. Neu wird sein, dass die Sporthalle Weil dann mit Sporthalle, Gymnastik- sowie Sozial- und Gruppenräumen drei Bereiche aufweisen wird. Der Eingangsbereich soll für Austausch, Informationen und Ansprache dienen. Die Sozial- und Gruppenräume eignen sich für Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit. Durch Angebote von Seiten der Vereine wie beispielsweise Inklusionsprojekte und Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf können auch benachteiligte Kinder und Jugendliche umfassend unterstützt und gefördert werden. Auch Trainer- und Fortbildungsveranstaltungen sowie Veranstaltungen von Bildungsträgern könnten dann hier stattfinden.

Die sportbezogene Infrastruktur wird angepasst. Das heißt, dass das derzeit 60 Meter lange Spielfeld auf das Maß verkürzt wird, das für eine allgemeine Hallennutzung erforderlich ist. Bei Bedarf kann es mittels beweglicher Trennwände in zwei oder drei kleinere Spielfelder aufgeteilt werden. Zwei weitere, barrierefrei zugängliche Gymnastikräume werden neu im Obergeschoss geschaffen. Davon ist einer teilbar, so dass auch im Obergeschoss bis zu drei unterschiedliche Sportgruppen die Räume parallel nutzen können. Eine Indoor-Kletterwand ergänzt das sportliche Angebot. Für publikumswirksame überregionale Wettkämpfe wird die Zuschauerkapazität durch Teleskop-Tribünen erhöht. Ein neues Leitsystem rundet die Innenraumgestaltung der Halle ab und weist den Nutzern die Wege zu den neuen Funktionen der Sporthalle. Nach dem Umbau und der Sanierung soll das Gebäude alle Belange der Inklusion im Sinne der Barrierefreiheit erfüllen. Aus diesem Grund sind zwei neue Aufzüge vorgesehen, die alle Bereiche der Anlage behindertengerecht erschließen. Außerdem sind automatische Türöffner vorgesehen.

Die Nutzung der Halle mit Foyer und Gymnastikräumen soll weiterhin von der Stadt Esslingen als Eigentümerin betrieben werden. Hingegen wird für die Sozial- und Gruppenräume ein eigenständiges Betreibermodell entwickelt – hierfür konnten der Sportverband, der Dachverband der Esslinger Sportvereine, der SV 1845 Esslingen und der FC Esslingen als gemeinsame Interessenten gewonnen werden.

Das Projekt ist konsequent aus gesamtstädtischen und stadtteilentwicklungspolitischen Strategien abgeleitet worden. Grundlage waren zum einen die Sportentwicklungsplanung und die Einbettung in das Strategiekonzept Esslingen 2027 (IEK), das das Projekt in den Themenfeldern regenerative energetische Versorgung und Sicherung der dezentralen Versorgung stützt. Zum anderen spielte die politisch beschlossene Grobanalyse „Soziale Stadt Mettingen-West, Brühl, Weil“ vom September 2015 eine große Rolle. Aus ihr wurde ersichtlich, welche städtebauliche Bedeutung das Eberhard-Bauer-Stadion und die Sporthalle-Weil für die angesprochenen Quartiere besitzen. Etwa 300 Menschen konnten wir im vergangenen Jahr im Rahmen der „Sozialen Stadt“ in dieser Sache beteiligen. Auf dieser Basis entstanden die Vorbereitenden Untersuchungen und ein Integriertes Entwicklungskonzept, das Ende 2016 vom Gemeinderat verabschiedet wurde.

Bei der Machbarkeitsstudie zum Sportpark waren rund 40 Vereine, Verbände und Initiativen eingebunden, unter anderem der Landessportbund, der Württembergische Fußballverband, der Sportverband Esslingen, der Bürgerausschuss Mettingen-Brühl-Weil, die Evangelische Kirchengemeinde, das Jugendhaus Mettingen, die Hochschule Esslingen und die Stadt Esslingen mit verschiedenen Abteilungen sowie weitere Akteure. Zu diesen Akteuren gehören übrigens auch die Ehrenamtlichen des Begegnungscafés in der evangelischen Lukaskirche nebenan. Dort treffen sich mittwochs von 16:30 bis 18:30 Uhr syrische und gambianische geflüchtete Männer, die in Weil und in Mettingen wohnen, mit interessierten Esslingern. Gemeinsam genießen sie Kaffee und Kuchen, spielen miteinander und bemühen sich trotz der Sprachbarrieren um Gespräche. Die Ehrenamtlichen aus dem Begegnungscafé haben Ihnen vorhin schon eine Maultaschensuppe serviert, und später, nach der Demontage der Alu-Fassade, halten sie Süßes für Sie bereit und schenken Kaffee aus. Bedienen Sie sich doch bitte an ihrem Stand, kommen Sie ins Gespräch und vielleicht besuchen Sie das Begegnungscafé ja auch bei Gelegenheit.

Als Beispiele für Vereine, Verbände und Initiativen, die sich der Themen Inklusion und Integration bereits angenommen haben, möchte ich die Sportvereinigung SV 1845 Esslingen mit ihren rund 1.500 Mitgliedern und den FC Esslingen als Talentförderverein und Verein für Mädchenfußball nennen. Beide leisten hervorragende Arbeit und setzen Projekte um, die mit Landesmitteln gefördert werden. Mit einigen Sportvereinen sind wir bereits im Gespräch bezüglich Flüchtlingsarbeit.

Die Stadt Esslingen freut sich deshalb sehr, dass der Bund die Stadt auch bei diesem so wichtigen Vorhaben mit umfangreichen Finanzhilfen unterstützt. Im Namen der Bürgerschaft, des Gemeinderates und der Esslinger Stadtverwaltung bedanke ich mich deshalb herzlich bei Ihnen, Frau Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter, beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit herzlich. Sozial, ökologisch, ökonomisch und sportlich wie integrativ: diese nachhaltigen Ziele einer erfolgreichen Stadtentwicklung erhalten mit der Unterstützung des Bundes in der neuen Multifunktionshalle und in den benachbarten Stadtquartieren starke neue Impulse.

Ich freue mich über den offiziellen Baustart und wünsche unserem gemeinsamen Projekt einen guten Verlauf. Und ich baue und freue mich darauf: schon im Oktober nächstes Jahr werden wir uns hier wiedersehen und die Einweihung der sanierten Halle Weil gebührend feiern.