Redemanuskript

Thema / Anlass:Festakt 150 Jahre Klinikum Esslingen
Datum:07/19/2012
Zeit:06:00 PM
Ort:Forum (Haus 15)
Redner:OB Dr. Jürgen Zieger

Es gilt das gesprochene Wort
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Sehr geehrte Frau Ministerin Altpeter,
sehr geehrte Mitglieder des Bundestages Frau Roth und Herr Grübel,
sehr geehrte Mitglieder des Landtages, Frau Lindlohr und Herr Drexler,
sehr geehrter Herr Landrat Eininger,
sehr geehrter Herr Sieber,
sehr geehrter Herr Prof. Staib,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums,
sehr geehrte Gäste des Festaktes,

150 Jahre Klinikum Esslingen.
Ein solches Jubiläum eines städtischen Unternehmens gehört sicherlich nicht zu den Routine-Terminen eines Oberbürgermeisters. Ich bin sehr stolz, dass wir in Esslingen ein städtisches Krankenhaus unser Eigen nennen dürfen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem erfolgreichen Gesundheitsdienstleister für die Menschen in Esslingen und aus dem Umland entwickelt hat.

Das dies in einem hoch komplexen System, wie dem Gesundheitssystem, mit zahlreichen beteiligten Akteuren, von denen heute viele hier sind, keine Selbstverständlichkeit ist, ist sicher allen bewusst. Das Esslinger Klinikum hat sich in den vergangenen 150 Jahren den Herausforderungen gestellt und kann ohne Übertreibung für sich in Anspruch nehmen, die Zukunft fest im Blick zu haben. In Esslingen entstand eine der ersten Psychosomatischen Kliniken in Deutschland. Eines der ersten Röntgengeräte, kurz nach Erfindung, wurde im Esslinger Krankenhaus aufgestellt. Die heutige Strahlentherapie verfügt als drittes Krankenhaus in Deutschland über das weltweit modernste Bestrahlungsgerät. Die Esslinger Kardiologie ist eine der größten kardiologischen Kliniken Deutschlands und die Onkologie mit Onologischem Zentrum und nun auch Onkologischem Schwerpunkt ist mit vielen nationalen Studien ganz eng an der wissenschaftlichen Forschung beteiligt. Der aktuelle Focus Krankenhaus-Test bescheinigt dem Haus hervorragende Arbeit.

Nicht verschweigen darf ich, dass die Esslinger Stadtverwaltung der Gründung eines Krankenhauses zu Beginn nicht unbedingt aufgeschlossen gegenüberstand. Carl Weiss, dem Teilhaber der Sektkellerei Kessler, ist es zu verdanken, dass wir zumindest heute hier zusammen kommen. Im „Anzeiger, Amts- und Intelligenzblatt für das Oberamt Esslingen“ stellt er fest: „Längst schon ist in hiesiger Stadt das Bedürfniß gefühlt, für erkrankte Arbeiter und Dienstboten eine Zufluchtstätte zu haben, da der städtische Spital zunächst nur für Eingebürgerte bestimmt ist“. Davon kann heute keine Rede mehr sein, wir sind doch in den vergangenen 150 Jahren so flexibel geworden, dass wir gerne Patientinnen und Patienten weit über unsere Stadtgrenzen hinaus behandeln wollen.

Die Esslinger Stadtverwaltung lehnte ein Engagement an Weiss Vorhaben zunächst ab, aber man sollte nicht den Esslinger Bürgerwillen unterschätzen: Eine Stiftung, die Weiss zum Zwecke seiner Zielerreichung gründete, sammelte bis 1859 bereits 5000 Gulden alleine aus privaten Spenden. Nun entschloss sich auch die Stadtverwaltung, nachdem die königliche Kreisregierung Ludwigsburg das Vorhaben stützte, die Bedenken zurück zu stellen und förderte das Projekt.
Fast exakt auf den Tag genau vor 150 Jahren, nämlich am 17. Juli 1862 konnte das Krankenhaus schließlich eröffnet werden.
Das unternehmerische Engagement hat sich gelohnt und so haben wir quasi dem Sekt zu verdanken, dass die Stadt ein Krankenhaus bekam. Als Oberbürgermeister freue ich mich über solche engagierten Menschen, auch heute noch.

Die Menschen in unserer Stadt vertrauen Ihrem Krankenhaus. Eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zählt zu einem der wesentlichen Standortfaktoren einer Stadt, hier können wir seit 150 Jahren punkten.

Sie sehen mich durchaus stolz auf alle diese Leistungen, zu der alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums und die klugen Entscheidungen der Verantwortlichen der Politik beigetragen haben.

Dies alles sind gute Ausgangsbedingungen auch für die aktuell wieder konkreteren Überlegungen über eine engere Zusammenarbeit mit den Kliniken des Landkreises Esslingen. Wenn die aktuelle Entwicklung dazu beiträgt, das Netz der Gesundheitsversorgung in Stadt und Landkreis auf einem hohen Qualitätsniveau und betriebswirtschaftlich auskömmlich dauerhaft für die Zukunft zu sichern, dann ist das sicher auch im Sinne der Gründerväter, die vor 150 Jahren so vorausschauend das „Arbeiter- und Dienstbotenkrankenhaus“ in Esslingen eröffneten. Für die Stadt und das Klinikum Esslingen ist es wichtig, den Weg der weiteren Kooperation auf den guten Ergebnissen aufzubauen, die wir in Esslingen haben. Denn wir sind auf eine betriebswirtschaftlich auskömmliche Betriebsführung angewiesen. Das gemeinsam von Stadt und Landkreis beauftragte Gutachten kann eine gute Grundlage dazu sein, diese Diskussion im Herbst zielgerichtet zu führen.

Natürlich hat das Klinikum noch Ideen und Projekte für die kommenden 150 Jahre vor sich. Das setzt voraus, dass Bund und Land uns dabei kräftig unterstützen!

Herzlichen Glückwunsch und alles Gute!