Redemanuskript

Thema / Anlass:Eröffnung der Ausstellung „Networking the Unseen“ in der Villa Merkel
Datum:12/20/2017
Zeit:07:00 PM
Ort:Villa Merkel
Redner:Herr OB Dr. Zieger
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Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
liebe Freunde der Villa Merkel,

wir leben in einer vernetzten Welt. Das gilt für unseren Alltag, wenn beispielsweise Smart-Phones sich automatisch in WLAN-Verbindungen einloggen, wenn Ampeln mit Fahrzeugen kommunizieren, wenn intelligente Kühlschränke selbständig jene Lebensmittel nachbestellen, die zur Neige gehen. Die notwendige digitale Steuerung dieser Prozesse entzieht sich dabei unserer Sichtbarkeit. Vernetzung im Sicht- wie Unsichtbaren ist Kennzeichen auch für die globalisierte Wirtschafswelt mit ihren Warenflüssen und ihren Märkten – und nicht zuletzt gilt sie auch für den Markt der Kunst. Man mag diese Entwicklung Fortschritt oder Segen nennen. Allerdings birgt sie auch Gefahren. Etwa die Gefahr des Verlusts von Orientierung in der physischen Welt. Oder die einer vorschnell zusammenfassenden und damit verkürzenden Sicht auf die Dinge. Gleich wie: schon im Titel der heute zu eröffnenden Ausstellung finden also hoch aktuelle Fragen und Aspekte der technologischen und sozialen Entwicklungen heutiger Gesellschaften einen Widerhall – der Titel lautet: „Networking the Unseen“ – frei übersetzt „Das Übersehene Vernetzen.

Die Ausstellung stellt ganz konkret und sinnlich erlebbar Bezüge zwischen unterschiedlichen Kulturen und verschiedenen künstlerischen Sprachen her. Sie tut dies in Form eines sehr besonderen Brückenschlags, der aktuelle indigene und nicht-indigene Kunst Australiens vor allem Werken der zeitgenössischen Medienkunst gegenüberstellt, die auf einem westlich geprägten Kunstbegriff basieren. Es ist ein Brückenschlag, der den Weltenball umspannt. Schon allein diese Ausgangslage lässt vermuten, eine sehr spezielle Expertise sei her am Werk. Und sie verspricht Spannung pur!

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, „Networking the Unseen“ ist das Projekt von Gretta Louw, der diesjährigen Bahnwärterstipendiatin Esslingens im Bereich bildende Kunst. Sie verantwortet inhaltlich die Ausstellung und hat sie zusammen mit dem Team der Villa Merkel um Andreas Baur professionell umgesetzt. Ich heiße Sie, Getta Louw, sehr herzlich in Esslingen willkommen, verbunden mit einem großen Dankeschön. Begrüßen darf ich ebenfalls Sie, die Gäste, und die Künstlerinnen und Künstler, die heute mit uns feiern. Ihnen gilt mein Dank für die Leihgaben und für den Einsatz hier vor Ort. Dieser Dank gilt insbesondere auch den Projekt-Partnern aus Australien. Künstlerinnen und Künstler waren von dort nach Esslingen gereist, um hier vor Ort beispielsweise Wandbilder zu fertigen, um ihre Installationen einzurichten. Mir sei der Hinweis auf ein Symposium erlaubt. Es bietet eine Gelegenheit, einige australische Künstler in Esslingen zu treffen. Stattfinden wird dieses Symposium als Begleitveranstaltung zu „Networking the Unseen“ am letzten Februarwochenende. Es wird eine vertiefende und – was die kulturgeschichtliche Dimension anbelangt, breitere Auseinandersetzung mit den Inhalten der Ausstellung fördern. Vielleicht möchten Sie sich den Termin ja heute bereits vormerken. Nur so viel vorab: Australien ist ein Kontinent von der Größe Europas – wen wundert es angesichts dessen, dass nicht von einer indigenen Kultur gesprochen werden kann, sondern dass es dort eine kulturelle Vielfalt gibt, die jener Vielfalt der europäischen Kulturen wohl kaum nachsteht.


Dafür, dass derzeit die Australische Botschaft auslotet, in welcher Weise sie die Realisierung dieses Symposiums unterstützen wird, gilt im Voraus schon ein herzliches Dankeschön. Dieses ist auch zu adressieren an das Australien Council of Arts sowie an Catalyst – dem Australien Art and Culture Fund: beide Einrichtungen haben die Ausstellung substantiell gefördert. Nicht minder gilt Dank dem Warnayka Art Centre, das als strategischer Partner die Ausstellung gefördert hat und ein profunder inhaltlicher Zuspielpartner war und ist. Nur um es ein Stück weit einordnen zu können: Das Warnayaka Art Centre ist recht abgelegen. Es liegt 580 km südwestlich von Katherine, Northern Territory, auf halbem Weg zwischen Alice Springs und Darwin...

Wie bereits erwähnt, kann ein Projekt wie „Networking the Unseen“ nicht gelingen ohne die erforderliche Expertise und ohne eine detaillierte Kenntnis der jeweiligen Kontexte. Gretta Louw bringt diese Expertise ohne Zweifel mit. Schon allein eine kurze Zusammenfassung ihrer Biografie macht deutlich, dass sie wohl wie kaum eine zweite prädestiniert sein mag, ein so ausgreifendes Netzwerk zu entfalten, wie es diese Ausstellung ja macht. Die interdisziplinär tätige Künstlerin und Kuratorin wurde geboren in Südafrika, wuchs in Australien auf, lebte in Japan und auf Neuseeland und nun in München. In ihrer kuratorischen und künstlerischen Arbeit konzentriert sie sich auf psychische Phänomene und die soziokulturellen Auswirkungen der neuen Medien und des Internets. Sie tut dies auch mit „Networking the Uneen“, einer Ausstellung, die Anregung ist, in Netzwerken verborgene, oft brachliegende Potenziale zu nutzen, die einlädt zur Kommunikation, Interesse am Fremden weckt und über kulturelle Grenzen hin die Chance beginnenden gegenseitigen Verständnisses fördert.

Das Wort übergebe ich an Gretta Louw, die Kuratorin des Projekts, und an den Leiter der Villa Merkel, Andreas Baur. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.