Redemanuskript

Thema / Anlass:Kranzniederlegung Karl Pfaff zum 150. Todestag
Datum:12/06/2016
Zeit:03:30 PM
Ort:Ebershaldenfriedhof, Ehrengrab von Karl Pfaff
Redner:Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger

Heute vor 150 Jahren, am 6. Dezember 1866, verstarb hier in Esslingen Karl Pfaff
An seinem Ehrengrab denken wir heute an einen besonderen Bürger unserer Stadt, der zu Lebzeiten bereits mit dem Bürgerrecht geehrt wurde und dem die Esslinger einige weitere Orte in der Stadt gewidmet haben:
    • In der Maille steht noch heute das bald nach seinem Tod von den Sängern gestiftete Denkmal.
    • Eine Straße in der Pliensauvorstadt trägt seinen Namen
    • Der Chorverband Karl Pfaff huldigt mit Stolz seinem spiritus rector
An Karl Pfaff erinnern auch noch die vorhandenen Stätten seines Wirkens und die von ihm geprägten Institutionen: das Stadtarchiv und das heutige Georgii-Gymnasium.
Und nicht zuletzt würdigt heute der Liederkranz Esslingen 1827 e.V., einer der ersten Vereine unserer Stadt, auf besondere Weise mit Gesang seinen langjährigen Ersten Vorsitzenden.

Eine Erinnerung an ihn ist auch die Biografie, die ihm der unvergessene Otto Borst gewidmet hat und natürlich die Werke Karl Pfaffs selbst, etwa seine in Teilen noch immer gültige Stadtgeschichte, die uns einen großen Bürger unserer Stadt ins Gedächtnis rufen. Bei unserer Gedenkfeier im Oktober hat Prof. Carola Lipp wichtige neue Punkte zu Karl Pfaffs Leben und Wirken herausgearbeitet und gleichzeitig auf einige unbearbeitete Fragen verwiesen.

Karl Pfaff war und bleibt eine wichtige und spannende Person für und in Esslingen. Was macht ihn so besonders? Geboren 1795 in Stuttgart, gehört Karl Pfaff zu den erstaunlichen Menschen, vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die auf einer Vielzahl von Gebieten mit einer staunenswerten Arbeitskraft ganz Herausragendes geleistet haben.
Er widmete sich der Pädagogik, der Literatur und Poesie, dem Journalismus, der Geschichtsschreibung, dem Archivwesen, der Politik in unterschiedlichen Facetten, natürlich auch der Musikpflege und dem Vereinswesen allgemein. Angesichts dieser Produktivität und Lebensleistung kann einen der Gedanke beschleichen, dass uns Heutigen die unfassbaren Fortschritte vor allem im Bereich der Kommunikation – vom Telefon bis zu WhatsApp und von der Schreibmaschine bis zum Smartphone – nicht nur zum Vorteil gereicht, sondern vielleicht auch mehr Zeit gekostet als gebracht haben.

Neben dieser bewundernswerten Schaffenskraft, neben seinen vielfältigen Interessen, Talenten und Aktivitäten, die noch heute für viele Menschen Anknüpfungspunkte bieten, ist es vor allem ein Aspekt, der ganz besonders der Erinnerung wert ist: Sein für das 19. Jahrhundert charakteristischer Bürgersinn. Die Orientierung am Nutzen und Besten der Gemeinschaft lag allen Aktivitäten Pfaffs als Demokrat, als Pädagoge, als Sänger, als Historiker, als Publizist zugrunde. Als Esslinger, Württemberger und Deutscher hat sich Pfaff eingemischt und eingebracht, für Freiheit, Gemeinsinn und Identität geworben und gekämpft. Er verbindet somit herausragende Leistungen auf vielen Gebieten mit einer genuin politischen und bürgerschaftlichen Haltung: Diese Kombination macht ihn besonders. Und solche Menschen braucht jede Stadt und jede Gemeinschaft noch heute.

Mit Stolz und Hochachtung denke ich daher an unseren Ehrenbürger Karl Pfaff. Und ich bin dankbar, dass wir in Esslingen in haupt- und ehrenamtlichen Bereichen Persönlichkeiten wie ihn haben, die sich auf sehr menschliche und nachhaltige Weise für eine soziale, integrative Stadtgesellschaft engagieren.