Redemanuskript

Thema / Anlass:Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e.V. (BKSB)
Datum:11/14/2017
Zeit:02:30 PM
Ort:Pflegeheim Obertor, Festsaal
Redner:Herr OB Dr. Zieger

Grußwort

Zur Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e.V. (BKSB)

In Esslingen a.N., Pflegeheim Obertor, Festsaal

Am 14.11.2017, Beginn 14.30 Uhr

Grußwort OB Dr. Zieger: 15.30 Uhr

BKSB-Vorsitzender: Herr Otto B. Ludorff, Geschäftsführer der Sozial-Betriebe- Köln gem. GmbH

Sehr geehrter Herr Ludorff,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich im Parlatorium und Kapitelsaal des ehemaligen Klarissenklosters. Das heutige Pflegeheim befindet sich auf historischem Gelände und ist eng mit der Geschichte der ehem. freien Reichsstadt Esslingen verknüpft. In den Jahrhunderten nach der Reformation hatte das Obertor stets eine wichtige Funktion inne: als Armenkasten, als Waisenhaus, als Seuchenlazarett und später als Spital für Kranke und Gebrechliche (Bürgerspital „St. Klara“), ab 1923 begann die Nutzung als Altenheim.

Diese enge Verzahnung mit der Geschichte der Stadt als „Ort der Daseinsfürsorge“ verbunden mit der zentralen Lage mögen den Ausschlag gegeben haben, dass der Gemeinderat nach Einführung der Pflegeversicherung Ende der 90iger Jahre an der kommunalen Trägerschaft festhielt und von einer Veräußerung oder Übertragung an frei-gemeinnützige oder private Träger Abstand nahm –

und dies obwohl das Pflegeheim als Regiebetrieb (organisatorisch als Abteilung dem damaligen Sozialamt zugeordnet)


    · erhebliche Verluste schrieb,

    · der Gebäudestandard schlecht war (3- und 4-Bett-Zimmer) und

    · dem Heim der Ruf des „Armenhauses“ anhaftete.


1997 erfolgte die Überführung des Pflegeheimes Obertor in einen Eigenbetrieb der Stadt, dies war der Ausgangspunkt für eine beachtliche Erfolgsgeschichte:

Bereits ab dem ersten Jahr gelang es einem engagierten Team kostendeckend zu arbeiten. Die Mitarbeiterschaft hatte eine klare Vision, das Heim hin zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen mit starker Einbindung in das Gemeinwesen zu entwickeln.

Unverzichtbare Grundlagen waren


    · ein mutiges Loslassen der Stadtverwaltung und

    · eine Betriebssatzung, die dem jungen Eigenbetrieb die notwendige Freiheit ließ, sich im Markt und im Wettbewerb zu behaupten. Dazu gehörten neben der Finanzverwaltung (die Einführung der doppelten kaufmännischen Buchführung innerhalb des damals noch kameralen Systems der Stadt) auch die vollständige Übertragung des Personal- und Gebäudemanagements.


Das Vertrauen in den Eigenbetrieb wuchs in der Folgezeit, so dass der Gemeinderat über die Jahre hinweg die Bau- und Betriebsträgerschaft für weitere Pflegeheime in den einzelnen Stadtteilen an die Städtischen Pflegeheime mit einstimmigen Beschlüssen übertragen konnte.

Heute gehören 5 Pflegeheime, 4 Tagespflegeeinrichtungen und 2 Anlagen des Betreuten Wohnens sowie 5 öffentliche Cafés mit dem Angebot eines Mittagstisches zum Geschäftsbereich des Eigenbetriebes Städtische Pflegeheime. Mit 450 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von ca. 20 Mio. Euro gehören die Pflegeheime zu den großen Betrieben innerhalb des Konzerns Stadt. Von knapp 800 vollstationären Pflegeplätzen in der Stadt Esslingen entfallen 381 auf den Eigenbetrieb Städtische Pflegeheime.

43 Mio. € investierte der Eigenbetrieb seit Gründung im Jahr 1997 in eine wohnortnahe Pflegeinfrastruktur. Grundlage war die Verabschiedung einer „sozialplanerischen und städtebaulichen Konzeption zur Sicherstellung einer dezentralen, wohnortnahen und hochwertigen stationären Pflegeinfrastruktur in der Stadt Esslingen a.N.“

Auch hierfür hatte der Eigenbetrieb im Gemeinderat und in der Verwaltung entscheidende Impulse gegeben. Ziel war es, Wildwuchs zu vermeiden und den künftigen Bedarf an Pflegplätzen wohnortnah und in gewünschter Qualität abzudecken.

Gegen den bundesweiten Trend bekannte sich die Stadt stets zur kommunalen Trägerschaft und beförderte eine nachhaltige Expansion des Eigenbetriebes. Im Landkreis Esslingen mit über 67 Pflegeheimen sind wir der einzige kommunale Träger.

Eine gute Pflege kann man nicht einfach an einen Heimträger delegieren, sie kann nur gelingen, wenn das ganze Gemeinwesen einbezogen wird – gute Pflege geht uns alle an:

Ehrenamtlich engagierte Bürger, die Kirchengemeinden, die Angehörigen, Nachbarn, die Freunde und Bekannten der Bewohner, die niedergelassenen Ärzte, der ambulante Hospizdienst, die Vereine, die Bürgerausschüsse etc. etc.

Diese Vernetzung ist ureigene kommunale Aufgabe, ein Pflegeheim kann dabei für die Quartiersentwicklung wertvolle Beiträge leisten. Es lohnt sich durchaus für eine Stadt, die Daseinsfürsorge für Pflegebedürftige aktiv mitzugestalten! Nicht umsonst stärkt das Pflegestärkungsgesetz 3 die Rolle der Kommunen.

Und kommunale Trägerschaft ist nicht zuletzt auch für die Bewohnerinnen und Bewohner eines Heimes von Vorteil: es ist in unseren Einrichtungen gewährleistet, dass jeder Euro, der eingenommen wird, auch wieder in die Pflege und Betreuung oder in die Ausstattung der Heime investiert wird. Wir haben keine Gewinnerzielungsabsicht! Allerdings müssen die Städtischen Pflegeheime nachhaltig wirtschaften und auf eigenen Beinen stehen - angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen keine einfache Aufgabe und eine echte Herausforderung!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen viel Erfolg für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe, heute noch einen guten Verlauf der Mitgliederversammlung und morgen gutes Gelingen für den Bundeskongress in unserem Alten Rathaus (um dies zu ermöglichen, hat die Stadt die Leitungskonferenz morgen hierher ins Pflegeheim Obertor verlegt).

Esslingen, 03.11.2017