Redemanuskript

Thema / Anlass:Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Volker Kalmbach
Datum:03/02/2017
Zeit:04:00 PM
Ort:Bürgersaal, Altes Rathauses
Redner:OB Dr. Jürgen Zieger

Sehr geehrter Herr Kalmbach,
sehr geehrte Frau und Familie Kalmbach,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Baden – Württemberg feierte im April 2002 sein 50jähriges Bestehen; wird nächsten Monat also 65 Jahre jung. Nach wie vor gilt, dass Baden – Württemberg ein Bürgerland ist; ein Land, das von der kulturellen, ethnischen Mischung und von seinen mittleren selbstverwalteten Städten, von seiner großen Vereinsdichte und der Bereitschaft von gut 40 % seiner Bürgerinnen und Bürger profitiert, ein Ehrenamt - eine gesellschaftliche Funktion - auszuüben.

Auch in Esslingen hat bürgerschaftliches Engagement eine ausgeprägte Tradition und ein breites Fundament. Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe sind auch die unverzichtbaren Voraussetzungen für gelebte Demokratie und ein humanes Miteinander. Unsere Gesellschaft bedarf des gelebten Leitbildes; bedarf Menschen – so drückte es einst der amerikanische Präsident John F. Kennedy aus – die nicht nur fragen, was der Staat für sie tun kann, sondern die im Gegenteil wissen wollen, was sie für den Staat tun können.

Der Mann, zu dessen Ehren wir uns heute (am Tag nach Ende der närrischen Zeit) hier im Esslinger Alten Rathaus versammelt haben, handelt seit sage und schreibe 58 Jahren – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - nach diesen Maßstäben; stellt sich und seine Lebenserfahrungen in den Dienst an der Allgemeinheit. Längst überfällig, werden Sie, lieber Herr Volker Kalmbach, heute deshalb geehrt. Unser erst kürzlich in den Ruhestand getretene Bundespräsident Joachim Gauck hat Ihnen auf Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann für Ihre – ich zitiere: um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste – das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Übergabe der hohen staatlichen Auszeichnung führt uns heute hier im Bürgersaal des Esslinger Alten Rathauses zusammen und ich freue mich sehr, Ihnen Orden und Urkunde persönlich überreichen zu dürfen. Der Zeitpunkt (nach Ende der närrischen Zeit) ist dabei durchaus bewusst gewählt: Gleicht das Verfahren bis hin zur heutigen Ehrung doch schon ziemlich einer Posse: Seit meinem Erstantrag, Sie – Herr Kalmbach – auf Vorschlag des DRK Kreisverbandes Esslingen heute auszuzeichnen, sind immerhin 8 Jahre ins Land gegangen. Manchmal mahlen die bürokratischen Mühlen unerklärlich einfach besonders langsam. Doch was lange währt, hat - wie in meinem Zweitantrag vom Sommer 2014 nochmals bekräftigt - heute schlussendlich nun doch seinen verdienten Erfolg: Ihre Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz.

Dazu gerne ein paar ausführlichere Worte über Ihr jahrzehntelanges gemeinnütziges Wirken:

Sie sind gebürtiger Esslinger, der beruflich viele Jahre bei der Firma Max Weishaupt Heizungsbau als gelernter Heizungsbauer gewirkt und gearbeitet hat. Ehrenamtlich schlägt Ihr Herz seit nunmehr 58 Jahren für das Deutsche Rote Kreuz: Landesverband, Kreisverband Esslingen und Ortsverein Esslingen.
1959 traten Sie in das Deutsche Rote Kreuz, Bereitschaft Esslingen im Kreisverband Esslingen e.V., ein. 1969 wurden Sie nach absolviertem Gruppenführerlehrgang im Sanitätsdienst zum Zugführer des Sanitätszuges Esslingen ernannt. In den folgenden Jahren absolvierten Sie verschiedene Lehrgänge: Schirmmeister im Sanitätsdienst; Gruppenführerausbildung im Sanitätsdienst; Anweisungslehrgänge für Führungskräfte; Lehrgänge für die Ausbildung der Kraftfahrer insbesondere im Katastrophenschutz. Seit dieser Zeit lag die Verantwortung der Kraftfahrerausbildung in Ihren Händen, insbesondere auch von Kraftfahrern für Bundesfahrzeuge im Katastrophenschutz auf Kreisverbandsebene).

Aufgrund Ihres fundierten Wissens wurden Sie 1978 zum stellvertretenden Kreisbereitschaftsführer ernannt. Ihre Aufgabe war es, die bis dahin aufgestellten Katastrophenschutzeinheiten des Bundes und des Landes im Kreisverband Esslingen zu koordinieren und neu zu ordnen. Es entstanden 5 voll ausgerüstete Sanitätszüge. Unter Ihrer Führung und aufgrund Ihrer Initiative wurde für die Sanitätszüge Arzt und Transport des Kreisverbandes ein Gebäude der Stadt Esslingen überwiegend in Eigenleistung renoviert und zu einem ständigen Standort mit Garagen, Unterkunft und Lagerräumen für diese Einheiten ausgebaut. Sie, Herr Kalmbach, haben dabei nahezu jeden Abend selbst Hand mit angelegt. Die Installierung einer multifunktionalen Einsatzgruppe durch Sie in Esslingen ermöglichte eine sehr frühzeitige, reibungslose Umsetzung der Umstrukturierung der Sanitätszüge in Einsatzeinheiten. Seit der Umstrukturierung waren Sie Zugführer der Einsatzeinheit 1 im Kreisverband Esslingen e.V., bis Sie 2009 altershalber ausgeschieden sind. Nach Absolvierung des Lehrgangs für Feldköche im Jahre 1980, bauten Sie eine zweite Verpflegungsgruppe des Roten Kreuzes im Kreisverband auf, die in der Folge unter Ihrer versierten Führung zum Einsatz kam.1982 wurden Sie zum Bereitschaftsführer der Bereitschaft Esslingen ernannt. Diese Aufgabe hatten Sie bis 2011 inne und engagierten sich für die Belange der Bürgerinnen und Bürger weit über das Normalmaß hinaus. 2012 mündete dies folgerichtig in Ihre Wahl zum Ehrenbereitschaftsleiter der Bereitschaft Esslingen. Darüber hinaus waren Sie viele Jahre im Bereitschafts- und Katastrophenschutz-ausschuss tätig und blicken auch auf ein langjähriges Engagement als Delegierter im DRK Landesverband sowie als Vorstandsmitglied des DRK Kreisverbandes Esslingen.

Für den Namen Volker Kalmbach stehen eine Vielzahl an Einsatzleitungen, die zu einem guten Ansehen des Roten Kreuzes und Deutschlands national wie auch international beigetragen haben. Um einige wenige Beispiele zu nennen, war das Team um Sie 1975 beim großen Waldbrand in Niedersachsen im Einsatz (dafür wurde Ihnen die Gedenkmedaille des Landes Niedersachsen verliehen). 1978 leistete Ihre Crew beim Hochwasser im Landkreis Esslingen Hilfe und 1979 nach einem Erdbeben im Zollern-Alb-Kreis in Albstadt. Bei der Ankunft der ersten Übersiedler aus Ostdeutschland im Oktober 1989 in Esslingen übernahmen Sie federführend für das Rote Kreuz erste Betreuungs- und Verpflegungsmaßnahmen. Umgekehrt wirkten Sie im Rahmen der Partnerschaftshilfe, die Esslingen Anfang der 90er Jahre für die Stadt Chemnitz leistete, aber auch dort. Als Mitte der 70ger Jahre ein schweres Erdbeben die Region Friaul von Esslingens Partnerstadt Udine (Italien) heimsuchte, waren Sie es, der Hilfsgütertransporte in das Krisengebiet organisierte und selber mit durchführte. 1990 und 1991 profitierte Esslingens Partnerstadt Molodetschno / Weißrussland von Hilfsgütertransporten des Roten Kreuzes unter Ihrer Leitung im Rahmen der Russlandhilfe. Im Auftrag des DRK Landesverbandes und des Sozialministeriums gab es 1992 auch einen Hilfsgütertransport nach Rumänien, den Sie leiteten. Und im Oktober 2008 zeichneten Sie für einen Hilfsgütertransport nach Litauen verantwortlich. All diese Transporte waren möglich, nachdem Sie sich frühzeitig für die Beschaffung eines Lastzuges für die Zwecke des Roten Kreuzes eingesetzt haben, der seitdem über örtliche Einsätze hinaus eben auch bei Auslandseinsätzen gute Dienste leistet. Die nähere Beschreibung Ihrer Auslandseinsätze im Kosovo belegt dabei, wie sehr sich Ihre berufliche Tätigkeit mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement innerhalb des DRK verzahnt und wie eng so manche Unterstützung aus der freien Wirtschaft mit Ihrem Namen verknüpft ist: Im Auftrag des DRK-Kreisverbandes waren Sie in den 90er Jahren mehrmals mit Hilfsgütertransporten in dem einstigen Kriegsgebiet. Firmen, die davon gehört hatten, räumten ihre Textillager, so dass die Not leidende Bevölkerung vor Ort mit Kleidungsstücken und Decken im Gesamtwert von 160.000 DM versorgt werden konnte. Die meisten Menschen hatten zu diesem Zeitpunkt noch kein Dach über dem Kopf. Sie waren in Zelten und anderen Notunterkünften untergebracht. Klirrende Kälte setzte den Menschen, die dabei waren, ihre im Krieg zerstörten Häuser wieder aufzubauen, zu. Die Esslinger Helfer unter Ihrer Führung reparierten vor Ort 7 Feldküchen, die für die Versorgung der Bevölkerung mit täglich rund 6.000 Essen benötigt wurden. Im Krankenhaus der albanischen Stadt Stirnlje wurde 1999 eine neue Heizungsanlage installiert, die die Firma Max Weishaupt GmbH, bei der Sie beruflich tätig waren, im Wert von 100.000 DM gespendet hatte. Die alte Heizung war von Soldaten zerstört worden. Gleichzeitig konnten dem Krankenhaus vom DRK Verbandszeug und die notwendigsten Medikamente und Utensilien zur Verfügung gestellt werden. Anstelle der 400 Menschen, für deren Versorgung das Krankenhaus ausgelegt war, mussten dort tatsächlich über 1.000 Menschen versorgt werden, darunter viele Kinder, die ihre Eltern verloren hatten oder durch Minen verletzt wurden.

Der Schauplatz der Hilfe hat sich inzwischen auch nach Deutschland verlegt. Die Rede ist vom Thema Asyl, dem sich das Land Ba-Wü genauso stellen muss, wie die Stadt Esslingen am Neckar: Erstaufnahme von Flüchtlingen; vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen; Anschlussunterbringung für die Menschen, die zu uns gekommen sind und für die wir eine Verpflichtung haben, sie aufzunehmen und zu integrieren. Auch da ist das Rote Kreuz – sind Sie, Herr Kalmbach, mit im Einsatz, zu helfen. Seit nunmehr 2014 sind Sie Ehrenbereitschaftsleiter im DRK-Ortsverein Esslingen und damit für die Menschen, die nach Esslingen gekommen sind, mitverantwortlich. Verantwortlich aber auch für eine Fülle weiterer gesellschaftlicher Aufgabenstellungen: Ich denke an die Blutspendeaktionen in Esslingen – letzten Montag haben wir hier im Alten Rathaus die Esslinger Jubiläumsspenderinnen und – spender des zurückliegenden Spendenzeitraumes geehrt.
Ich denke aber auch an die Mitgestaltung des Esslinger Volkstrauertages, des Bürgerfestes, des Mittelalter-Weihnachtsmarktes oder des Fackellaufes.

Der DRK-Ortsverein Esslingen und Sie, sehr geehrter Herr Kalmbach, sind jedes Jahr in etlichen Stunden im ehrenamtlichen Einsatz. Für diese Präsenz in Esslingen - für Ihr vielfältiges Engagement, und was Sie an Hilfen in unsere bürgerliche Gemeinschaft einbringen – möchte ich mich an dieser Stelle deshalb ganz besonders herzlich bedanken. Und ich sehe Ihre Auszeichnung, Herr Kalmbach, mit dem Bundesverdienstkreuz stellvertretend als Ausdruck und Anerkennung Ihres und des Wirkens vieler, die sich für die gute Sache des DRK auf örtlicher und überörtlicher Ebene einsetzen. In diesem Sinne darf ich Sie, Herr Kalmbach, nun zu mir nach vorne bitten, um die hohe staatliche Ehrung entgegenzunehmen. Alles Gute für Sie; vor allem eine robuste Gesundheit für Ihren weiteren Einsatz im Dienste der Allgemeinheit. Ich danke Ihnen.